WASHINGTON / JERUSALEM (inn) – Bei dem zweiten Pax-Silica-Gipfel in Washington haben Israel und 33 weitere Länder eine gemeinsame Stellungnahme unterzeichnet. Darin bekennen sie sich unter anderem dazu, KI-Regelwerke zu schaffen, die Wachstum und Innovation fördern. Außerdem ist die Vertiefung der Zusammenarbeit bei Lieferketten und der Export von KI-Technologien angedacht.
Die USA haben die Pax-Silica-Initiative bereits vergangenes Jahr ins Leben gerufen. Der Begriff bezieht sich auf das für die Halbleiterindustrie zentrale Element Silikon in Verbindung mit dem lateinischen Wort für Friede.
Israel gehörte beim ersten Gipfel Mitte Dezember zu den sieben Erstunterzeichnern der Grundsatzerklärung. Inzwischen unterzeichneten zehn weitere Länder die Erklärung, darunter Deutschland, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch die Europäische Union trat der Initiative bei.
In der nicht-bindenden Erklärung heißt es, Künstliche Intelligenz sei eine umwälzende Kraft für langfristigen Wohlstand. Die beteiligten Akteure wollen gemeinsam den dafür benötigten Nachschub an benötigten Rohstoffen wie Seltene Erden sicherstellen. Unausgesprochenes Ziel ist dabei auch, die Abhängigkeit von China zu mindern.
Nationaler KI-Plan verabschiedet
Die Beteiligung Israels deckt sich mit den Ambitionen des jüdischen Staates in diesem Bereich. Am Dienstag vergangene Woche stellte die Regierung einen nationalen Plan für Künstliche Intelligenz vor. Ziel ist es, Israel zu einer der führenden Nationen in dem Gebiet zu machen.
Premier Benjamin Netanjahu (Likud) erklärte dazu: „Künstliche Intelligenz ist nicht nur eine weitere Technologie – es ist eine Revolution.“ Sie werde viele Bereiche des Staates Israel betreffen, darunter die Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Gesundheit – „und seine internationale Geltung“.
Ambitionierte Ziele
Dazu gehört der Aufbau einer möglichst unabhängigen Infrastruktur. In diesem Rahmen will die Regierung 100.000 Recheneinheiten beschaffen. Dieses Ziel charakterisiert die Regierung selbst als „ambitioniert“. Forschung, Wissenschaft und Industrie sollen leichteren Zugang zu Rechenkapazitäten erlangen.
Israel ist bereits im Ausbau seiner Rechenzentren begriffen. Derzeit seien 22 Projekte in Planung oder im Bau, wie die Außenwirtschaftsagentur der deutschen Bundesregierung vergangenen Freitag festhielt. So entsteht in Hadera ein Großprojekt mit einer Leistung von 340 Megawatt.
Ein weiteres Ziel ist der Aufbau eines „nationalen Quantenrechners“. Dies soll dazu dienen, die Stellung Israels an der Front der technologischen Entwicklung zu stärken.
Die Bemühungen soll ein Nationales Institut für Künstliche Intelligenz koordinieren. Dieses soll zwischen Regierung, Industrie und Wissenschaft vermitteln. Zudem ist geplant, die Ausbildung in Künstlicher Intelligenz zu verstärken.
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KI-Forscher: Spezialisierung ist besser
Der KI-Forscher Nadav Cohen von der Universität Tel Aviv begrüßt es, dass es eine Debatte auf nationaler Ebene zu diesem Thema gibt. Das Ziel der Regierung, Israel dabei unabhängig zu machen, halte er aber für zu ambitioniert, sagte er gegenüber der Zeitung „Yediot Aharonot“.
Die Beschaffung zehntausender Recheneinheiten sei etwa sehr kostspielig, aufgrund der rasanten Entwicklung veralteten diese außerdem schnell. Cohen erklärte, Israel solle sich auf die „physische KI“ konzentrieren, etwa zur Automatisierung von Industriearbeit. „Es ist besser, sehr stark in wenigen Gebieten zu sein, als zu versuchen, alles zu machen.“
Der KI-Plan erinnert an den Cybersicherheits-Plan. Bereits 2010 hatte die Regierung unter Netanjahu einen Strategieplan verabschiedet mit dem Ziel, Israel zu den führenden Nationen in dem Bereich zu machen. Heute gilt Israel als Supermacht im Bereich Cybersicherheit.
Erstmals trilaterales Treffen
Am Rande des Pax-Silica-Treffens ist es zudem zu einer Premiere gekommen: Erstmals haben Israel, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate einen trilateralen Wirtschaftsdialog abgehalten.
Der Unterstaatssekretär für Wirtschaft, Jacon Helberg, erklärte dazu, die Abraham-Abkommen hätten gezeigt, dass Friede Wohlstand aufbaut. Nun zeige die von US-Außenminister Marco Rubio (Republikaner) geleitete Initiative Pax Silica, dass gemeinsame Lieferketten gemeinsame wirtschaftliche Sicherheit aufbauen.
Israel und die Emirate haben bereits im April 2023 eine wirtschaftliche Partnerschaft ins Werk gesetzt. Das Handelsvolumen lag 2025 bei 3,2 Milliarden Dollar und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Im Jahr 2021, dem ersten Jahr nach Unterzeichnung der Abraham-Abkommen, lag es noch bei 1,2 Milliarden US-Dollar. (df)
4 Kommentare
KI ist Zukunft. In Sachen KI wird Israel ganz vorne sein. Israel ist ein bestes Beispiel fuer Werte wie Wissen und Bildung. That’s it!
@Ron Manfredowitsch
Meine Ehefrau, ich selbst, unser Bischof, unser Hauspersonal, wir hoffen die Toscana wird das zweitbestes Beispiel in Sachen KI sein.
Es ist immer wichtig, KI sinnvoll zu nutzen und gleichfalls die Gefahren von KI zu sehen.
Ich denke, da geht es Israel nicht anders als vielen anderen Nationen.
@Martin Sechting
Hier in der Toscana geht es uns genauso.