Die Schoa-Überlebende Sara Atzmon ist am Dienstag im Kreise ihrer Familie in Israel verstorben. Geboren wurde sie am 27. April 1933 als Hedvig Gottdiener im ungarischen Hajdúnánás.
Viele Menschen haben Sara Atzmon im Laufe der Jahrzehnte kennen- und schätzen gelernt – sowohl als international renommierte Künstlerin mit weltweiten Ausstellungen, wie auch als unermüdliche Botschafterin der Erinnerungskultur. Ihre Lebensgeschichte war untrennbar mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden. Als junges Mädchen stand sie bereits vor den Toren von Auschwitz, wurde aber zunächst in das Durchgangslager Strasshof deportiert und von dort später nach Bergen-Belsen gebracht. 60 Mitglieder ihrer Familie fanden in der Schoa den Tod.
Im April 1945 befreiten die Amerikaner einen KZ-Zug von jüdischen Deportierten in einem Waldstück bei Farsleben, in der Nähe von Magdeburg, in dem auch Sara Atzmon war. Dies erlebte sie als ihren „zweiten Geburtstag“. Über diesen sogenannten „Gestrandeten Zug“ gibt es im Museum Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt eine Ausstellung.
Sie wanderte nach Israel aus und heiratete Uri Atzmon, dessen Vater Walter Bein schon 1924 aus Oberhausen ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina gekommen war; dort hebraisierte er seinen Nachnamen. Das Ehepaar bekam sechs Kinder sowie Enkel und Urenkel.
Lebensgeschichte an junge Generation weitergegeben
Es war Sara Atzmon ein Herzensanliegen, ihre Lebensgeschichte als Holocaust-Überlebende vor allem an die junge Generation weiterzugeben – mit der Mission für ein „Nie wieder“ und der Verständigung zwischen Völkern und Religionen. Jahrzehntelang besuchte sie immer wieder Schulen und hielt Vorträge in Deutschland und weltweit. Dafür erhielt sie mehrere Auszeichnungen.
Die Geschichte der Überlebenden dokumentiert auch der Film „Holocaust light – Gibt es nicht!“. Er hatte 2012 auf dem Internationalen Filmfest von Braunschweig Premiere.
Kurz vor dem Tod von Sara Atzmon wurde ihr neues Buch „Und ich habe doch gesiegt!“ auf Deutsch im Handel erhältlich. Darin hat sie Erinnerungen über den Holocaust und ihr weiteres Leben in Israel aufgezeichnet.
Möge ihre Botschaft in vielen Herzen weiterklingen.
Von: G. Wedel
2 Kommentare
Es ist bedauerlich, dass Sarah Arzmon im Alter von 93 Jahren verstorben ist. Mögen ihre Enkel und Urenkel ihr Erbe fortsetzen.
Mein herzliches Beileid den Angehörigen von Sara Atzmon. Sie hat ein sehr bewegtes Leben, wie alle Holocaust-Überlebenden, hinter sich. Ihre Geschichte kann man unter aki-israel.de lesen. Es berührt mich jedes Mal zutiefst, was diese Menschen an Grausamkeiten erdulden mussten,trotzdem ungebrochen viele Jahrzehnte noch ein gutes Leben führen konnten und von ihrem Schicksal erzählen.
Ruhe in Frieden! ✝️🇮🇱