JERUSALEM (inn) – Ein in Südisrael gefundener massiver Kultstein könnte die Historizität der Reformen unter dem judäischen König Hiskia im 8. Jahrhundert vor Christus bestärken. Nach Ansicht des Archäologen Avraham Faust von der Bar-Ilan-Universität haben Bewohner eines Hauses im heutigen Südisrael den Stein trotz der Kultreform behalten wollen und fanden für ihn eine neue Verwendung.
Archäologen stießen bereits vor mehr als zehn Jahren auf den Stein in der Ausgrabungsstätte Tel Eton, 16 Kilometer westlich von Hebron. Die Stätte gilt als Standort einer wichtigen Stadt zur Zeit des ersten Tempels (10. Jahrhundert bis 6. Jahrhundert vor Christus); manche Archäologen sehen hier die in der Bibel erwähnte Ortschaft Eglon.
Lapidarer Kult
Dort finden sich die Überreste eines so genannten „Regierungshauses“. Es handelte sich um eine Spielart der damals üblichen Häuser mit vier Bereichen, allerdings viermal größer als die üblichen Häuser. Daher schlussfolgern Archäologen, dass es die Residenz einer Führungsfigur war.
In dem größten Raum dieses Gebäudes entdeckten die Archäologen den Stein, der 1,4 Meter hoch und 750 Kilogramm schwer ist. Nach Ansicht von Faust stand er einst prominent inmitten des Raumes und war bereits vom Hauseingang her sichtbar. Das würde bedeuten, dass die Bewohner dem Stein einige Bedeutung zumaßen.
Im Zuge der Reformen fanden die Bewohner für den Stein eine andere Verwendung: Sie kippten ihn um, ordneten um ihn herum weitere Steine an und formten so eine Plattform. Sie zerstörten den Stein also nicht, sondern behandelten ihn mit einiger Ehrfurcht, auch wenn die Betreiber der Reform eine Zerstörung derartiger Steine wohl gewünscht haben.
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Einblick in den Alltag
Die vorgestellte These ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen gibt es wenig archäologische Hinweise auf die in der Bibel (2. Könige 18; 2. Chronik 29 f.) beschriebenen Reformen, weshalb ihre Historizität oft bezweifelt wird. Des Weiteren wirft sie ein Licht auf häusliche Kultpraktiken und darauf, wie die Reform die Menschen in ihrem Alltag jenseits der ausgewiesenen Kultstätten betraf.
Lange hielt die neue Rolle des Steines allerdings nicht an: Das betreffende Haus wurde bei der Zerstörung der Stadt durch die Assyrer im späten 8. Jahrhundert vor Christus ein Opfer der Flammen.
Faust leitet die Ausgrabungen in Tel Eton seit 2006. Der Artikel zum Kultstein erschien im Juni in der Jahresausgabe des „Jerusalem Journal of Archaeology“, das das Institut für Archäologie an der Hebräischen Universität Jerusalem herausgibt. (df)
2 Kommentare
Kultsteine, Ernesto könnte welche gebrauchen für den Garten.
Wir könnten alle so viel von Hiskia lernen! „Er tat was dem Herrn Wohlgefühl, ganz wie sein Vater David“ (2.Kön.18,1ff). Er räumte gründlich den Tempel Gottes aus, zerschlug Götzenbilder, und durfte dann große Wunder erleben! Das brauchen wir auch heute wieder!
Lieber Gruß Martin