Erste robotergestützte Grauer-Star-Operation weltweit

Ein israelisches Unternehmen führt eine Grauer-Star-Operation vollständig robotergestützt und ohne Vollnarkose durch. Die Entwickler sprechen von einem Meilenstein für die Augenheilkunde weltweit.
Von Jörn Schumacher

Das Unternehmen „ForSight Robotics“ hat nach eigener Aussage Geschichte geschrieben: Es hat einen Menschen vollständig roboterassistiert und ohne Vollnarkose am Grauen Star operiert. Dabei handele es sich um den ersten derartigen Eingriff weltweit, teilte das 2020 in Israel gegründete Unternehmen mit.

Die Katarakt-Eingriff ist meist ein ambulanter Routineeingriff, bei dem die getrübte Augenlinse durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Die Operation dauert zwischen 15 und 20 Minuten und erfolgt in lokaler Betäubung. Danach verbessert sich die Sehkraft oft schnell und deutlich.

Bisherige robotergestützte Eingriffe in der Augenheilkunde beschränkten sich auf Teilaufgaben und wurden unter Vollnarkose durchgeführt. „ForSight“ gab in einer Erklärung bekannt, einen Meilenstein erreicht zu haben und damit eine neue Ära in der Augenheilkunde weltweit eingeläutet zu haben. Denn die Operation mit Roboter-Hilfe bringe eine höhere Präzision und trage dazu bei, dem weltweiten Mangel an sehkraftwiederherstellenden Behandlungen entgegenzuwirken.

Weltweit Mangel an ausgebildeten Chirurgen

Die Operation wurde von Alexey Rapoport durchgeführt, die Studienleitung übernahm Robert Edward T. Ang vom Asiatischen Augeninstitut in Manila. „Dies ist ein entscheidender Moment für die Augenchirurgie und die Zukunft des globalen Gesundheitswesens“, teilte Joseph Nathan mit; er ist Mitbegründer, Präsident und medizinischer Leiter von „ForSight Robotics“. Die Errungenschaft könne dazu beitragen, den Zugang zur Kataraktoperation für Millionen von Patienten weltweit zu ermöglichen.

Zu verdanken sei der Erfolg der robotergestützten Plattform namens JASPER, die „ForSight“ speziell für Augenoperationen entwickelt hat. Das Projekt trug bis vor kurzem noch den Namen ORYOM. Dieser Name leitet sich vom hebräischen Wort für „Tageslicht“ ab.

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JASPER unterstützt den Chirurgen beim Eingriff mithilfe fortschrittlicher Bildgebung, präziser Steuerung und Bewegungsanpassung. So beugt es Ermüdung und unerwünschten Abweichungen vor. Laut dem israelischen Unternehmen arbeitet JASPER Hand in Hand mit den Chirurgen zusammen; dadurch werden die Eingriffe sicherer und konsistenter.

Das Unternehmen gab außerdem an, das System könne dazu beitragen, die körperliche Belastung zu verringern, der Augenchirurgen häufig ausgesetzt sind. Denn sie führen über viele Jahre hinweg eine große Anzahl von Mikrooperationen in unbequemen Positionen durch.

Laut dem Unternehmen benötigen weltweit schätzungsweise über 600 Millionen Menschen eine Kataraktoperation. Doch de facto können jährlich nur rund 30 Millionen solcher Eingriffe durchgeführt werden wegen eines Mangels an ausgebildeten Chirurgen. Hinzu komme die körperliche Belastung durch Tausende mikrochirurgischer Eingriffe. Die JASPER-Plattform kann dazu beitragen, diesen Bedarf zu decken. Noch befinde sie sich allerdings in der Entwicklung und sei noch nicht für die kommerzielle Nutzung zugelassen.

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2 Kommentare

  1. Von der Forschung bis zur zugelassenen Nutzung vergeht noch eine lange Zeit. Eine hervorragende Entwicklung. 🤗 Von wem? Natürlich von den Israelis. Warum wurde der Name geändert? ORYOM-Tageslicht hätte doch gut gepasst! Augenerkrankungen nehmen weltweit zu, auch durch Nutzung von Handy und Bildschirmen. Ich hoffe, dass vielen Menschen durch das neue OP-Verfahren ohne Vollnarkose geholfen werden kann,
    Viel Erfolg weiterhin für ForSight Robotics.

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  2. Bei meiner Staroperation – ganz traditionnel – hatte ich schon erhebliches Fracksausen, also, wenn ich mir vorstelle, ein Roboter kommt auf mich zu …aber sicher ist es ein grosser Fortschritt, vor allem, was die Präzision anbetrifft.

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