JERUSALEM (inn) – Israel steht weiter unter massivem Raketenbeschuss aus dem Libanon und aus dem Iran. In der Nacht zum Freitag wurden rund 60 Israelis im Norden des Landes verletzt. Eine von der Terrormiliz Hisbollah abgefeuerte Rakete war nahe eines Wohnhauses in der beduinisch geprägten Stadt Sarsir bei Nazareth eingeschlagen.
In der zentralisraelischen Stadt Rechovot wurde eine 17-jährige von einem Auto überfahren und getötet. Sie hatte offenbar einen Voralarm auf ihrem Handy erhalten und war daher auf der Flucht in den Bunker. Der eigentliche Alarm blieb aus.
Weitere Soldaten umgekommen
Die USA beklagen indes weitere Tote: Am Donnerstag ist nach Angaben des Militärs die gesamte sechsköpfige Besatzung eines Tankflugzeugs bei einem Absturz über dem Irak umgekommen. Ein weiteres involviertes Flugzeug ist in Israel gelandet, nachdem es ein Notsignal abgesetzt hatte.
Die Ermittlungen zur Ursache seien im Gange, teilte das für die Region zuständige Zentralkommando (CENTCOM) mit. Ein Feind- oder Eigenbeschuss sei aber auszuschließen. Die Zahl der amerikanischen Gefallenen seit Beginn der Angriffe Ende Februar erhöht sich damit auf 13.
Bei den Kampfhandlungen ist nun auch ein französischer Soldat umgekommen. Er starb bei einem Angriff auf einen Stützpunkt im Irak. Das teilte der französische Präsident Emmanuel Macron (Renaissance) in der Nacht zum Freitag mit. Weitere Soldaten seien verwundet worden. Macron erklärte, die Angriffe auf die Einheiten, die seit 2025 gegen den Islamischen Staat kämpfen, seien inakzeptabel.
Regimevertreter beim Al-Quds-Marsch
Erstmals meldete sich der neue Oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, am Donnerstag mit einer Nachricht. Er kündigte an, weiter US-Stützpunkte in der Region zu beschießen und die Straße von Hormus geschlossen zu halten. Modschtaba selbst zeigte sich bislang nicht öffentlich, die Staatsmedien verlasen seine Botschaft.
Am Freitag präsentierten sich aber Regimevertreter zum traditionellen Al-Quds-Marsch auf den Straßen von Teheran. Zu ihnen gehörte Staatspräsident Massud Peseschkian und der Vorsitzende des nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani.
„Al-Quds“ ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Der Al-Quds-Tag wurde 1979 als anti-israelische Veranstaltung vom damaligen Obersten Führer Ruholla Chomeini ins Leben gerufen, er findet am letzten Freitag des muslimischen Fastenmonats Ramadan statt.
Netanjahu erneuert Aufruf an Iraner
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) betonte indes bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, Israel attackiere weiter die Regimekräfte im Iran. Die Armee habe bereits große Erfolge erzielt, die den jüdischen Staat als regionale Macht stärkten. Dies sei „der Schlüssel zur Sicherung unserer Existenz“.
Hauptanliegen sei die Schwächung des Regimes, betonte Netanjahu. Doch Israel und die USA würden auch Bedingungen für dessen Sturz schaffen. „Wir versetzen den Revolutionsgarden und den Basidsch-Einheiten heftige Schläge.“ Die Basidsch-Einheiten sind unter anderem für die Unterdrückung von Protesten zuständig. An die Iraner gewandt sagte Netanjahu, der Moment der Freiheit rücke näher, doch es liege in ihrer Hand. „Wir stehen an eurer Seite, wir helfen euch.“
Regime vorerst stabil
Nach fast zwei Wochen schätzen israelische Regierungskreise allerdings, dass das Regime stabil sei. Das berichtete das „Wall Street Journal“ am Freitag. Das Regime habe sich als widerstandsfähig erwiesen und sei in der Lage, zurückzuschlagen. Die Bedingungen für einen Volksaufstand seien nicht reif.
Der israelische Botschafter in den USA, Jechiel Leiter, erklärte hingegen, dass sich „die Risse im iranischen Regime weiten“. Diplomaten in mehreren Ländern suchten Asyl. Beispiele nannte er nicht, aber laut der Nachrichtenseite „Iran International“ haben zwei Diplomaten in Dänemark und in Australien Asyl beantragt.
„Iran International“ berichtete zudem von Spannungen der Revolutionsgarde und der regulären Armee. Die Nachrichtenseite beruft sich auf „informierte Kreise“. So verweigere die Revolutionsgarde Unterstützung bei verwundeten Soldaten. Der Armee seien zudem die Munitions- und Proviantvorräte knapp. (df)
Ein Kommentar
Es könnte durchaus sein, dass die Hisbollah die Ramat David Airbase südwestlich davon treffen wollte. Vor ein paar Tagen war auch schon eine iranische Rakete auf Bet Schemesch niedergegangen, in dessen Nachbarschaft die „geheime“ Sdot Micha Airbase liegt. Auch in den Angriffen 2024/25 haben viele iranische Raketen ihre vermutlich militärischen Ziele in Israel um etliche Kilometer verfehlt.