Zehntausende Notizzettel aus Ton entdeckt

Was heute Haftzettel sind, waren in der Antike Tonscherben: Man machte sich allerlei Notizen darauf. In Ägypten entdecken Archäologen in einer Ruinenstadt 43.000 solcher Scherben.
Von epd

TÜBINGEN / KAIRO (epd) – Forscher haben in Ägypten mehr als 43.000 beschriftete Tonscherben entdeckt. Die Fundstücke lagen in der oberägyptischen Ruinenstätte Athribis, wie die beteiligte Universität Tübingen am Donnerstag mitteilte. Die sogenannten Ostraka dienten in der Antike als günstiges Schreibmaterial. Mit der enormen Menge an Scherben übertrifft Athribis nun das bisher ergiebigste Areal im Tal der Könige.

Die Texte aus Athribis entstanden den Angaben zufolge in einem Zeitraum von 1.400 Jahren: Die ältesten Fragmente stammen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, die jüngsten reichen bis in das 11. Jahrhundert nach Christus. Auf den Scherben finden sich Steuerbelege, einfache Lieferlisten und Schulübungen. Auch mehr als 130 Horoskope entdeckten die Experten.

Jeden Tag bis zu 100 neue Scherben

Damit gilt Athribis laut der Universität als weltweit wichtigste Quelle für derartige astrologische Vorhersagen. Die Menschen beschrieben den Ton größtenteils in demotischer und griechischer Schrift, malten aber auch geometrische Figuren auf die Oberfläche. Die demotische Schrift wurde in Ägypten etwa zwischen 650 vor und 450 nach Christus als Schreibschrift genutzt. Ein gemeinsames Grabungsteam der Universität Tübingen und der ägyptischen Altertumsbehörde hatte die Stücke in den vergangenen Jahren freigelegt.

Foto: Athribis-Projekt Tübingen
Zeichnung einer Spitzmaus als heiliges Tier des Gottes Haroeris und eine demotische Liste mit mehreren Personennamen, die sich auf die lokalen Götter beziehen

Der Tübinger Grabungsleiter Christian Leitz hob den besonderen Wert der Entdeckung hervor: „Die Ostraka zeigen uns eine erstaunliche Vielfalt an Alltagssituationen.“ Die Auswertung der Fundmassen stelle die Beteiligten allerdings vor große Herausforderungen. Die Grabungsfläche wachse stetig, jeden Tag finde das Grabungsteam bis zu 100 neue Exemplare.

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