Antisemitische Töne in der MAGA-Bewegung

Die MAGA-Bewegung in den USA vereint unterschiedliche rechte und konservative Stimmen. Dazu gehören auch Antisemiten, die Hass und Hetze gegen Juden verbreiten. Und sie werden lauter.
Von Israelnetz

WASHINGTON D.C. (inn) – Der Antisemitismus am rechten Rand der amerikanischen Politik tritt zunehmend offen zutage. Mehrere prominente Stimmen aus dem Umfeld der sogenannten MAGA-Bewegung („Make America Great Again“, „Macht Amerika wieder groß“) verbreiten antisemitische Verschwörungstheorien oder greifen jüdische Institutionen und Israel an. Zugleich kommt es innerhalb der amerikanischen Rechten immer häufiger zu offenen Auseinandersetzungen über den Umgang mit solchen Positionen.

So behauptet der rechtsextreme Aktivist Nick Fuentes regelmäßig, Juden kontrollierten Medien und Politik und könnten deshalb nicht Teil der westlichen Zivilisation sein. Die konservative Kommentatorin Candace Owens verbreitet Verschwörungstheorien über Israel und stellte unter anderem die Behauptung auf, der jüdische Staat habe eine Rolle bei der Ermordung von Präsident John F. Kennedy gespielt.

Auch Medienfiguren wie Tucker Carlson bedienen in ihren Kommentaren Narrative über angebliche jüdische Machtstrukturen oder warnen vor einer „Ersetzung“ der weißen Bevölkerung. Viele dieser Akteure verfügen über Millionen Follower in sozialen Netzwerken und prägen damit Teile der politischen Debatte innerhalb der amerikanischen Rechten.

Nationalpopulistische Ideologie

Politikwissenschaftler sehen den Hintergrund dieser Entwicklung in der ideologischen Ausrichtung der MAGA-Bewegung. Sie hat sich in den vergangenen Jahren vom klassischen amerikanischen Konservatismus entfernt und wird zunehmend als nationalpopulistische Bewegung beschrieben.

Nationalistische Strömungen innerhalb der Bewegung betonen eine ethnisch und kulturell definierte Vorstellung von „amerikanischer Identität“. In diesem Zusammenhang kursieren Konzepte wie die Idee der „Heritage Americans“, die unter anderem von US-Vizepräsident JD Vance aufgegriffen wurde. Sie geht davon aus, dass Menschen mit besonders lange in den USA ansässigen Vorfahren einen stärkeren Anspruch auf nationale Zugehörigkeit hätten.

Solche Argumentationsmuster können antisemitische Deutungen begünstigen. Obwohl jüdische Gemeinden bereits seit dem 17. Jahrhundert in Nordamerika existieren, werden Juden in nationalistischen Diskursen häufig weiterhin als „fremd“ oder „nicht wirklich zugehörig“ dargestellt.

Trumps Bündnis mit den Verschwörungstheoretikern

MAGA hat viele Bewegungen unter sich vereint. Darunter sind auch etliche Gruppen, die an bestimmte Verschwörungserzählungen gekoppelt sind. In solchen Erzählungen werden politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Probleme häufig auf geheime Netzwerke oder mächtige Interessengruppen zurückgeführt. Historisch greifen solche Verschwörungstheorien immer wieder auf antisemitische Stereotype zurück, in denen Juden als angebliche Strippenzieher im Hintergrund dargestellt werden.

Die Kontroversen um solche Narrative sind zuletzt innerhalb der Bewegung selbst offen ausgebrochen. Nachdem Tucker Carlson den rechtsextremen Influencer Nick Fuentes in seinen Podcast eingeladen hatte, kam es zu scharfer Kritik aus dem konservativen Lager. Der Kommentator Ben Shapiro, selbst orthodoxer Jude und Mitgründer der Medienorganisation „The Daily Wire“, warf Carlson vor, einem „Hitlerapologeten“ eine Bühne zu geben.

Die Epstein-Akten und neue Verschwörungserzählungen

Auch die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten verstärkte das Aufkommen antisemitischer Positionen. Die Dokumente wurden in sozialen Netzwerken rasch zum Ausgangspunkt neuer Verschwörungserzählungen, in denen Jeffrey Epsteins jüdische Herkunft oder Kontakte zu jüdischen Persönlichkeiten als angebliche Belege für eine „jüdische Weltverschwörung“ interpretiert werden.

Der Autor und Antisemitismus-Experte Mike Rothschild erklärte der „Jüdischen Allgemeinen“, die schiere Menge des Materials begünstige solche Fehlinterpretationen. „Egal welche Art von Verschwörungstheorie jemand verfolgt – in diesen Akten findet sich scheinbar immer etwas, das ins eigene Weltbild passt“, sagte er. Die mehr als drei Millionen Seiten umfassende Dokumentensammlung zu dem 2019 verstorbenen Immobilienmakler und verurteilten Sexualstraftäter werde häufig selektiv zitiert oder aus dem Zusammenhang gerissen.

Kritik auch innerhalb der Rechten

Innerhalb der MAGA-Bewegung kocht die Debatte in jüngster Zeit immer wieder hoch. Bei der Jahreskonferenz der konservativen Organisation „Turning Point USA“ in Phoenix im vergangenen Sommer, zu der rund 30.000 Teilnehmer anreisten, kritisierte Shapiro mehrere prominente Stimmen der Bewegung. Dazu gehörten Carlson, Owens und den früheren Trump-Berater Steve Bannon. Bei allen bezog er sich auf antisemitische Narrative oder wegen ihrer Kritik an der US-Unterstützung für Israel.

US-Präsident Donald Trump selbst wies Vorwürfe zurück, Antisemiten hätten in seiner Bewegung Einfluss. In einem Interview der „New York Times“ erklärte er Mitte Januar, antisemitische Positionen hätten weder in der Republikanischen Partei noch in der MAGA-Bewegung einen Platz. Zugleich betonte er seine eigene Nähe zum jüdischen Staat und bezeichnete sich als „besten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten für Israel“.

Konsequenzen bedeutet das für die antisemitischen Stimmen bisher nur selten. Sie werden vielleicht kritisiert, aber nicht ausgeschlossen. Jüdische Organisationen warnen, dass antisemitische Narrative zunehmend sowohl am rechten als auch am linken Rand der politischen Landschaft in den USA an Einfluss gewinnen. Auch wenn die Unterstützung für den israelischen Staat innerhalb von MAGA weiterhin groß ist, besonders bei den evangelikalen Christen, schaffen sie es nicht, sich von diesen Bewegungen zu distanzieren. (tko)

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4 Kommentare

  1. Ich dachte eigentlich, Verschwörungstheorien sind am aussterben. Nachdem ja nun Bill Gates nach Corona doch nicht die Weltherrschaft übernommen hat.😆😅🤣
    Und dann dieser Blödsinn,die Juden streben eine Weltherrschaft an!🤦🏻‍♀️🤦🏻‍♀️🤦🏻‍♀️
    Ich kann echt nicht glauben,das andere solch einen Mist für voll nehmen. Unbegreiflich!!!!🫤🫤🤔🤔

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    1. Ja Manu, der größte Unsinn ist auch die Behauptung, dass in der westlichen Welt ein Bevölkerungsaustausch stattfindet, und die Behauptung von Neonazis, dass Juden die Einwanderung fördern, um die weiße Bevölkerung zur Minderheit zu machen.
      Ist kein Witz.

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      1. @Gideon Lahav
        Ich weiß. Hab hier ne Nachbarin
        Die war früher mal echt ok. Aber seit sie Facebook und Co. nutzt, ist sie echt durchgeknallt,was das mit den Juden angeht. Und auch andere Dinge. Chamtrails und so. Strom wird ausgeschaltet. Hör auf! Ich mach jetzt immer einen sehr großen Bogen um die Frau!🙈🙈🙈

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