KFAR MAIMON (inn) – Sie hat den Holocaust und das Massaker vom 7. Oktober 2023 überlebt: Jetzt berichtet Penina Ben-Josef von ihren Erfahrungen. Im Rahmen des Projekts „Edut 710“ (Zeugenschaft 710) erinnert sie sich, wie sie drei Tage lang im Schutzbunker ausharrte und die Evakuierung zunächst verweigerte.
Zu der Organisation gehören israelische Filmschaffende und Historiker. Die Initiative, die Geschichten der Überlebenden wie Penina Ben-Josef aufzuzeichnen, wurde nach ihren Angaben unmittelbar nach dem 7. Oktober ins Leben gerufen, damit die Stimmen der Opfer nicht verloren gehen.
Flucht aus Polen
Penina Ben-Josef kam 1940 als Kind jüdischer Eltern in Polen zur Welt. Da ihr Vater als Lokführer arbeitete und unter seinen Passagieren auch verwundete Soldaten waren, ahnte er, was auf die Juden noch zukommen würde. Er versuchte, seinen Vater und andere Angehörige zur Flucht zu überreden – vergeblich.
„Nur meine Eltern und ich flohen nach Russland. Der Rest unserer Familie ging in Rauch auf“, erzählte die 85-Jährige. Auf der Flucht und später auch in Russland habe die Familie ihre jüdische Identität verstecken müssen. Ben-Josef lernte Russisch, um ja nicht aufzufallen, nur wenn sie unter einander waren, sprachen sie Jiddisch.
In dieser Zeit war Hunger ihr täglicher Begleiter. Sie habe Kalk und Putz von den Wänden abgekratzt und gegessen. Auch sei sie oft alleine gewesen, da ihre Mutter täglich nach Arbeit suchte und der Vater in der sowjetischen Armee kämpfte.
Rückkehr der Erinnerungen
Das Hamas-Massaker habe die Erinnerung an diese Zeit zurückgebracht, erzählte die 85-jährige im Gespräch mit „Edut 710“. Seit 1961 lebt sie im Moschaw Maimon, in Grenznähe zum Gazastreifen. Bis zum Hamas-Massaker habe sie den Ort nicht verlassen und jeden Krieg und jede Krise dort durchgestanden.
Am Morgen des 7. Oktober 2023 hörte sie Explosionen. Sie erzählt: „Nach Jahrzehnten sind wir daran gewöhnt, daher dachte ich mir nichts dabei.“ Doch dann sei ihre Tochter mit den Enkeln hereingestürzt. „Sie sagten mir, dass Krieg ausgebrochen sei und ich mich in den Schutzraum begeben müsse.“ Dort blieb sie dann bis Dienstag, den 10. Oktober, gemeinsam mit ihrer Enkelin. Mit dabei hatte sie eine Pistole.
Bis Montag seien fast alle Bewohner Maimons evakuiert worden, Ben-Josef weigerte sich zunächst zu gehen. Erst nach Gesprächen mit Sicherheitsmitarbeitern des Dorfes verließ sie den Bunker und ihr Haus, um niemandem zur Belastung zu werden, erklärt sie im Gespräch mit „Edut 710“. Inzwischen lebt sie wieder dort und ist überzeugt: „Wir werden überleben“.
Laut der israelischen Zeitung „Yediot Aharanot“ hatten die Bewohner des Moschaws Glück im Unglück: Ein Militärhubschrauber wurde in der Nähe des Ortes abgeschossen. Die Soldaten konnten nicht nur sich selbst retten, sondern auch dem Moschaw zur Hilfe kommen. Sie konnten dutzende Terroristen daran hindern, in die Ortschaft einzudringen.
Am 27. Januar ist der Internationale Holocaust-Gedenktag. Es ist der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. (mw)
Eine Antwort
Es freut mich, dass die Holocaust-Überlebende Penina Ben-Josef, dass Massaker am 7. Oktober 2023 überlebt hat.