„Nach Hause“ ist Israels „Wort des Jahres“

Bei der Wahl zum „Wort des Jahres“ spielen erneut die Geiseln eine Rolle. Zum drittplatzierten Begriff findet die Sprachakademie einen biblischen Bezug.
Von Israelnetz

JERUSALEM (inn) – Die Israelis haben den Ausdruck haBeita – „nach Hause“ – zum Wort des Jahres gewählt. Dies teilte die Akademie für Hebräische Sprache am Donnerstag mit. Sie sieht darin einen aktuellen, aber auch einen Jahrtausende zurückreichenden Bezug. Im vorigen Jahr hatte das Wort Hatufim (Geiseln) den ersten Platz belegt.

Am Donnerstag beging die Akademie den „Tag der Hebräischen Sprache“ des jüdischen Jahres 5786. Er ist normalerweise am 21. Tag des Monats Tevet, der allerdings dieses Jahr auf einen Schabbat fällt. Deshalb wurde der „Tag der Hebräischen Sprache“ vorgezogen.

Vorher hatte die Akademie um Vorschläge für das „Wort des Jahres“ gebeten. Aus Hunderten Einreichungen wählte sie zehn Wörter aus und bat die Bevölkerung um Abstimmung. Tausende Israelis folgten dem Aufruf.

Auch Künstliche Intelligenz und Hoffnung gefragt

Für haBeita stimmten 25 Prozent der Teilnehmer. Den zweiten Rang belegte mit 15,2 Prozent Bina Mal’achutit – „Künstliche Intelligenz“. Knapp dahinter liegt mit 14,6 Prozent Tikva – „Hoffnung“.

Die restlichen Vorschläge erhielten jeweils 5 bis 8 Prozent der Stimmen: Gius (Einberufung), Chakira (Untersuchung), Trauma, Nirmul (Normalisierung), Am KeLavi (Volk wie ein Löwe, Name der Militäroperation im Iran), Schavim (Zurückkehrende) und Schikum (Rehabilitation).

„In jedem dieser Wörter kann man die Verbindung zur komplizierten Lebenswirklichkeit in Israel finden, und zu den starken Gefühlen nach zwei Jahren schwerem und schmerzhaftem Krieg – und zum schönen und sich wandelnden Hebräisch“, kommentierte die Akademie die Begriffe.

„Herzen zum Beben gebracht“

Zum neuen „Wort des Jahres“ merkte das Institut an, die Heimkehr der meisten Geiseln, die am 7. Oktober 2023 in den Gazastreifen entführt worden waren, habe die Menschen in Israel bewegt. Der Ausdruck „nach Hause“ sei immer wieder im öffentlichen Gespräch aufgekommen. „Er brachte auch die Herzen zum Beben in einem Lied, das zu einem der Symbole des Kampfes und der Hoffnung wurde.“ Damit bezog sich die Akademie auf das Lied „Habeita“, das 1.000 israelische Musiker Ende 2023 im Amphitheater von Caesarea für ein Video aufgeführt hatten.


Die Akademie sieht indes noch einen weiteren Faktor: Der Ausdruck symbolisiere außerdem die Rückkehr der Bewohner in die Ortschaften nahe der Gaza-Grenze, die bei dem Massaker von der Hamas angegriffen worden waren, sowie in die von der Hisbollah beschossenen Ortschaften des Nordens. Auch die Sehnsucht nach dieser Rückkehr stecke in haBeita.

Aus sprachlicher Sicht weist das Institut darauf hin, dass es sich um ein kurzes Wort handele, das aber im Hebräischen aus drei Elementen bestehe: in der Mitte das Wort beit (Haus), am Anfang der bestimmte Artikel ha und am Ende das Richtungs-Suffix ah. Sowohl der Artikel als auch das Suffix werden im Hebräischen mit dem Buchstaben He dargestellt.

Die Leiterin der Akademie, Dorit Lehrer, sieht in haBeita ein „Wunder der hebräischen Sprache“: Die Israelis hätten dieses Jahr ein alltägliches Wort gewählt, das jedes Kind benutze. Es bestehe aus einem der ältesten Wörter der Sprache, das sich so oder ähnlich auch in verwandten Sprachen finde – dazu gehören etwa Arabisch oder Aramäisch. Diese jahrtausendealte Kontinuität und das Leben des Hebräischen feierten die Israelis jedes Jahr am Tag der Sprache.

Foto: Akademie für Hebräische Sprache
Das „Siegerpodest“ von der Wahl zum „Wort des Jahres“

Der zweite Begriff, KI, bedeutet im Hebräischen wörtlich „Künstlicher Verstand“ oder auch „Künstliche Weisheit“ oder „Künstliches Verständnis“. Die Akademie wies darauf hin, dass er „fast über Nacht zu einem untrennbaren Teil unseres Lebens“ geworden sei.

Biblischer Bezug

Beim drittplatzierten Wort stellte das Institut einen Bezug zur Bibel her. „Schon von alters her überflutete das Wort ‚Tikva‘ die Hebräischsprecher mit starken Gefühlen“, heißt es in der Erläuterung. So habe sich etwa der Prophet Jeremia (31,16f) an die Stämme Israels im Exil gewandt: Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Mühe wird belohnt werden, spricht der HERR. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes, und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR: Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen.

Diese Zusage folge auf die Feststellung in Vers 15: Man hört Klagegeschrei und bittres Weinen in Rama: Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder; denn es ist aus mit ihnen.

Weiter heißt es bei der Sprachakademie: „Jahrtausende später verlieh der begeisterte zionistische Dichter Naftali Herz Imber dem Lobgedicht, das er über das Erwachen des Zionismus am Ende des 19. Jahrhunderts schrieb, den Namen ‚HaTikva‘. Die ersten beiden Strophen des Liedes wurden (mit ein paar Änderungen) zur Nationalhymne des Staates Israel.“ (eh)

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7 Antworten

  1. Danke für den Bericht. Die gesamte biblische Welt muss alle Bibelstellen neu erlernen, um die WAHRHEIT des Nach-Hause-Kommens zu erkennen. Es gibt leider etliche Prozent der „Christen“, die den Zionismus überhaupt nicht kennen oder nicht kennen lernen wollen.

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  2. Beim Homeland-Konzert im Amphitheater Caesarea wurde das HaBeita so ergreifend gesungen, ich hab es oft gehört und Rotz und Wasser geheult. Wie dankbar bin ich Gott, dass er die Gefangenen erlöst und nach Hause gebracht hat.
    Jesaja 51,11: „Die Erlösten des HERRN werden heimkehren. Wonne und Freude werden sie ergreifen, Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.“
    Gezeichnet, aber trotzdem in Tikva, erbitte ich für die langwierige Rehabilitation Gottes Zutun und seinen Segen. Und Ran Gvili muss „nach Hause“ kommen. 🙏🎗🇮🇱
    Das Wort HaBeita ist zu Recht das Wort des Jahres. Und ich wünsche auch den Palästinensern, den Iranern und den Ukrainern , dass sie ein Zuhause bzw. „nach Hause“ finden können.

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    1. @Ella
      Du bist genau wie ich! Muss immer schlucken. Habe es auch gestern wieder auf volle Pulle laut gemacht!🤭🤭
      Und ja,dieses Lied gilt für Alle.
      Viele Grüße aus dem weniger verschneiten, aber saukalten Berlin! So kalt,ich brauche die Häuser nicht wischen. Lappen waren gefroren.🤣🤣

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      1. @Manu
        Ja Manu, nah am Wasser gebaut, wenn’s um die Geiseln geht, sowieso. Ein Zuhause braucht jeder, im eiskalten Berlin genauso wie in den Kriegsgebieten. Die Lappen gefroren?🤣Bei Matsch und Schnee hab ich die Kehrwoche letzte Woche auch verschoben. Dafür hab ich am Do in der Natur wunderschöne Fotos von Eiskristallen ❄️gemacht. Pass auf die Hörnchen gut auf.🐿 Liebe Grüße Ella

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  3. Die Leiterin der Akademie, Dorit Lehrer, sieht in haBeita ein „Wunder der hebräischen Sprache“. Kein Wunder, dass meine Ehefrau und ich selbst Hebräisch lernen wollen.

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  4. ,,Ha Tikva“ wäre meine Wahl gewesen.
    Denn dieses Wort umfasst alles ,was dieser Tage die Lage im nahen und mittleren Osten betrifft.
    SHABBAT SHALOM

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