Die Reden der amerikanischen und russischen Präsidenten, Barack Obama und Wladimir Putin, haben in Nahost Frustration und Befriedigung zugleich ausgelöst. Die Palästinenser waren bestürzt, dass weder Putin noch Obama ihren Konflikt mit Israel auch nur mit einem Wort erwähnt hatten. Immerhin erklärten sich Palästinenser zufrieden, dass Obama nicht einmal Israel mit positiven Worten bedacht habe. Im jüdischen Staat wurde zufrieden registriert, dass weder Israel noch die Palästinenser mehr im Rampenlicht einer Welt stehen, in der Syrien, der Iran und die Flüchtlinge in Europa plötzlich eine entscheidendere Rolle spielen.
Noch stehen die Reden von Präsident Mahmud Abbas und Premierminister Benjamin Netanjahu an. Der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Abbas, hält sich schon einige Tage in New York auf und wurde von Amerikanern wie anderen unter Druck gesetzt. Die von Abbas geplante „Bombe“ in seiner Rede vor der Generalversammlung wird wohl nicht einmal eine Blendgranate werden. US-Außenminister John Kerry soll dem PA-Präsidenten ausgeredet haben, einen Rücktritt, eine Auflösung der Autonomiebehörde oder ein Ende der Sicherheitskooperation anzukündigen, wie Palästinenser zunächst durchsickern ließen.
Der israelische Regierungschef Netanjahu will sich in seiner Rede auf den Iran und die Gefahr einer Atombombe konzentrieren, was er schon öfter bei der UNO und vor dem US-Kongress getan hat. Abbas dürfte er mitteilen, jederzeit zu Gesprächen bereit zu sein, freilich „ohne Vorbedingungen“, während der PA-Chef auf einem Siedlungsstopp und der Freilassung weiterer Gefangener besteht. Keine Seite erwartet da einen „Durchbruch“ zu dem seit 2009 faktisch eingefrorenen Friedensprozess.