Bei CNN lief eine Stoppuhr rückwärts bis zur leicht verspäteten Ankunft des israelischen Premiers im Kongress-Saal. Die israelischen Sender brachten die Rede mit einer Verzögerung von fünf Minuten, um notfalls unerlaubte Wahlkampfpropaganda zu zensieren. In Deutschland scherte sich niemand. „Wir empfangen hier nur Kabel und kein deutscher Sender bringt die Rede live“, klagte ein Redakteur aus dem Rheinland.
Der Saal des Kongresses war bis auf den letzten Platz gefüllt, obgleich angeblich 70 demokratische Abgeordnete die Rede boykottierten. Die Tickets für Gäste waren „ausverkauft“. Neben Netanjahus Frau Sarah saß auf der Zuschauertribüne der Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel. Netanjahu wandte sich an ihn, um zu erklären, dass er die Worte „Nie wieder“ repräsentiere.
Abwesend war US-Außenminister John Kerry, der nach Genf geflogen war, um die Verhandlungen mit dem Iran fortzuführen. Demokraten-Chef John Biden hatte sich nach Guatemala abgesetzt. US-Präsident Barack Obama hatte angekündigt, sich die Rede nicht anschauen zu wollen. Er nahm zur Zeit der Ansprache an einer Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen europäischen Spitzenpolitikern teil. Später kam dennoch eine Reaktion aus dem Weißen Haus: „Worte, Worte, Worte und keine Taten.“
Netanjahu, darin sind sich auch seine Kritiker einig, sei ein begnadeter Redner. Doch ob er mit seiner Rede den Vertrag mit dem Iran abwenden konnte, bleibt eine offene Frage, auch gerade wegen der „Beleidigung des Präsidenten Obama“, wie ein demokratischer Abgeordneter sagte.