Der Sprecher des israelischen Wohnungsbauministeriums, Arik Ben Schimon, reagierte auf eine telefonische Anfrage von Israelnetz zu dem Siedlungs-Bericht von „Peace Now“: „Wenn wir könnten, würden wir noch viel mehr bauen, aber es gibt vom Premierministeramt eine Politik des Einfrierens der Bautätigkeit.“ Weiter sagte Schimon, dass er die Aufregung um den Bericht von „Peace Now“ (Frieden jetzt) nicht verstehe, denn alle Fakten seien offen und könnten im Internet gefunden werden. „Wir verheimlichen da nichts.“
Zu den Zahlen selbst sagte er, dass der Staat Israel die gesamte Stadt Jerusalem als Staatsgebiet betrachte. Nach Abzug der Neuwohnungen in Jerusalem seien in den besetzten Gebieten, jenseits der „Grünen Linie“, insgesamt 2.400 neue Wohnungen gebaut worden.
Der Sprecher sagte weiter, dass ohne die von der Regierung auferlegten Beschränkungen das Ministerium noch weitere 5.000 neue Wohnungen in Judäa und Samaria gebaut hätte.
Im Bericht von „Peace Now“ heißt es, 2014 habe der Bau von 3.100 Wohneinheiten, 165 öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten und Synagogen sowie 92 industriellen und landwirtschaftlichen Einrichtungen begonnen. Gut zwei Drittel davon befänden sich in Gebieten, auf denen die Palästinenser ihren künftigen Staat errichten wollen. Die Nichtregierungsorganisation prangert den Anstieg der Baubeginne um 40 Prozent im Jahre 2014 im Vergleich zum Vorjahr an.
Wahlkampfthema Wohnungsnot in Israel
Der Bericht zum Siedlungsbau fällt wohl nicht zufällig mit den Neuwahlen zusammen, die in weniger als einem Monat in Israel abgehalten werden. Die Nichtregierungsorganisation „Peace Now“ vertritt eine klare Agenda gegen den derzeitigen Premierminister Benjamin Netanjahu. Zudem soll am Mittwoch um 17 Uhr ein Bericht des staatlichen Rechnungsprüfers zum delikaten Thema Wohnungsnot in Israel veröffentlicht werden. Das ist bisher das zentrale Wahlkampfthema in Israel. Dazu hieß es, dass in Jerusalem allein noch weitere 50.000 Neuwohnungen geplant seien, teilweise in Grünflächen und Naturschutzgebieten.