In einer Präzedenzfall-Entscheidung hat das Militärgericht Judäa einem Palästinenser aus dem Westjordanland eine hohe Entschädigungszahlung auferlegt, schreibt die Tageszeitung „Ha‘aretz“. Umgerechnet rund 720.000 Euro muss Attentäter Ali Sa‘ada als Kompensation an die Opferfamilie zahlen. Zudem wurde er am Donnerstag zu zwei Mal lebenslänglich plus 50 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde nicht öffentlich bekannt gegeben.
Am 23. September 2011 warfen die Attentäter Waal al-Arjeh und Ali Sa‘ada absichtlich einen Stein aus einem fahrenden Taxi auf die Frontscheibe von Palmers Auto, der seinen einjährigen Sohn traf. Der Fahrer verlor die Kontrolle über seinen Wagen, er überschlug sich. Der Israeli und dessen einjähriger Sohn Jonathan starben. 2013 wurde der beteiligte Attentäter Waal al-Arjeh bereits zu zwei Mal lebenslänglich plus 58 Jahren verurteilt.
Das israelische Gesetz begrenzt Kompensationszahlungen in solchen Fällen auf 258.000 Schekel, umgerechnet rund 53.000 Euro. Da sich dieser Fall aber im Westjordanland abgespielt hat, außerhalb des israelischen Souveränitätsgebietes, komme dieses Limit bei Sa‘ada nicht zum Tragen, schreibt „Ha‘aretz“. Bei der noch nicht dagewesenen Summe von 720.000 Euro ist damit zu rechnen, dass der Attentäter Sa‘ada Berufung einlegt. Der Anwalt der Palmer-Familie hatte eine noch höhere Summe von rund 2 Millionen Euro vorgeschlagen, meldet die Tageszeitung „Jerusalem Post“.
Der Vorfall auf der Route 60 bei Kirijat Arba nahe Hebron im Jahr 2011 hatte zunächst den Anschein eines Unfalls, die Untersuchungen ließen dann aber auf eine absichtliche Tötung schließen. Zu diesem Ergebnis kam auch das Militärgericht.
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