„Aus Jerusalem, unserer besetzten Hauptstadt, senden wir unsere dringende Botschaft an die gesamte Welt und vor allem nach Europa – wir sehnen uns nach Gerechtigkeit und Frieden.“ Mit diesen Worten appellieren palästinensische Kleriker, Diplomaten und führende Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft an die EU. „Palästina anerkennen und Israels Grenzen festlegen, ist ein erster Schritt zu diesem Ziel.“
Federführend sind der frühere lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, der griechisch-orthodoxe Erzbischof Atallah (Theodosios) Hanna und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Munib Junan. Letzterer ist auch Bischof der Lutherischen Kirche in Jordanien und im Palästinensergebiet. Insgesamt haben mehr als 100 Palästinenser das Schreiben unterzeichnet, berichtet die israelische Tageszeitung „Ha‘aretz“.
„Wir sind es leid, zur Wiederaufnahme von Verhandlungen aufzurufen, während wir unsere Kirchen wegen einer ausländischen Macht nicht erreichen können und unser Volk weiter durch eine unerwünschte Besatzung unterdrückt wird“, klagen die Palästinenser gemäß der libanesischen Tageszeitung „The Daily Star“. „Europa hat eine moralische, rechtliche und politische Pflicht, Israel verantwortlich zu machen und gewaltlose Initiativen, die israelische Besatzung zu beenden, zu unterstützen. Dazu gehört die Anerkennung des Staates Palästina in der Grenze von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt.“
„Der einzige Weg zu Frieden und Sicherheit“
Weiter heißt es in dem offenen Brief: „Christen haben die Pflicht, sich Unterdrückung entgegenzustellen. Wir glauben, dass die internationale Gemeinschaft und vor allem Europa nicht genügend getan haben, um einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erlangen. Sie können nicht weiter unser Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung für ein israelisches Vorrecht halten.“
Die Initiatoren fragen die Europäer: „Bis wann werden Sie Israels Verstöße gegen Ihre eigenen Resolutionen akzeptieren? Bis wann werden Sie zulassen, dass die Aussichten auf Frieden weiter von der israelischen Kolonialisierung zerstört werden? Bis wann sollten wir in unserem Heimatland als Ausländer behandelt werden dürfen?“
Die israelische Besatzung zu beenden, sei der einzige Weg für Palästinenser, Christen und Muslime, ein Leben von Wohlstand und Fortschritt zu genießen“, meinen die kirchlichen Würdenträger. „Es ist auch der sicherste Weg, eine fortgesetzte christliche Präsenz in diesem unserem Heiligen Land zu sichern und Israel die Sicherheit zu gewährleisten, die es weiter fordert. Ohne Gerechtigkeit kann es weder Frieden noch Sicherheit geben.“
Briten sollen Montag abstimmen
Im britischen Unterhaus will der Labour-Abgeordnete Grahame Morris den Antrag am Montag einreichen. „Wenn das Vereinigte Königreich Palästina anerkennt, könnte das einen entscheidenden Impuls dafür geben, dass weitere EU-Staaten folgen“, begründete er das Vorhabe laut „Ha‘aretz“. „Eine Anerkennung jetzt wäre eine klare und legitime Botschaft, dass Großbritannien und andere die palästinensischen Rechte anerkennen und dass das illegale Siedlungsunternehmen keinen Wert hat.“ Der Antrag hätte bei einer Annahme durch das Unterhaus keine praktischen Auswirkungen.