Abbas ist 79 Jahre alt und scheinbar bei bester Gesundheit. Unermüdlich reist er nach wie vor für Termine ins Ausland, beispielsweise zur UN-Generalversammlung nach New York. Für zukünftige Wahlen will der Politiker aber nicht mehr zur Verfügung stehen, und so stellt sich die Frage, wer die Palästinenser künftig regieren und repräsentieren soll.
Weder hat Abbas einen möglichen Nachfolger benannt, noch ist aus seinem Umfeld jemand hervorgetreten, der in diese Rolle aufsteigen könnte, berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ und analysiert: „Das ist eine Strategie, die kurzfristig aufgehen mag, aber langfristig Fragen aufwirft über demokratische Verantwortlichkeiten, politische Visionen und die Art von Person, die dann einmal mit Israel über die Gründung eines Palstinenserstaates verhandeln wird.“
Der amerikanische Politikwissenschaftler Grant Rumley erklärt: „Er (Abbas) hat keinen Protegé, und er hat kein System aufgebaut, in dem Leute aufsteigen können.“ Stattdessen habe Abbas potentielle Rivalen zur Seite gedrängt, wie etwa seinen früheren Premierminister Salam Fayyad, der 2012 vielleicht zu mutig sein Interesse am Amt des Präsidenten bekundet hatte.
Radikale und gemäßigte Optionen
Ein Politikwissenschaftler der Amerikanischen Universität Beirut, Rami Churi, analysiert: „Abbas verhält sich wie ein typischer arabischer Machthaber, der sich in seiner Position wohlfühlt und sich keine Gedanken darüber macht, was als nächstes kommt.“
Als in Frage kommend für Abbas’ Nachfolge nennt „Reuters“ den jetzigen Geheimdienst-Chef Madschid Faradsch. Er ist Anfang 50, hat sechs Jahre in Israel gelebt und spricht hebräisch. Er hat sich in der Vergangenheit Lob von den Amerikanern erarbeitet, weil er der CIA dabei geholfen hatte, einen der Hintermänner des Anschlags auf die US-Botschaft in Libyen 1998 zu ergreifen.
Ein radikaler unter den möglichen Kandidaten ist Marwan(von dem zweiten Aufstand ist mir nichts bekannt). Er gilt als Anführer der „Al-Aksa-Intifada“ und war Führer der „Tansim-Milizen“, einer militanten Untergruppe der Fatah. Barghuti wurde 2004 wegen fünffachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe in Israel verurteilt. Er könne jedoch auch im Gefängnis gewählt werden, um aus ihm eine Ikone wie Nelson Mandela zu machen.