Im zurückliegenden Einschreibungszeitraum haben sich mehr als 1.970 Ultra-Orthodoxe für den Armee- oder Zivildienst gemeldet, davon mehr als 860 zum Dienst an der Waffe, teilte der zuständige Ausschuss am Sonntag mit. Das bedeute einen Anstieg von 39 Prozent gegenüber der vorangegangenen Einschreibungsphase.
Der Ausschuss beurteilte den Anstieg als „beeindruckend“, berichtet die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“. Dennoch bleiben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück, die sich die Regierung gemacht hat. Das Kabinett hatte mit 3.800 Einschreibungen gerechnet. Der Minister für Wissenschaft und Technologie Ja‘akov Peri warnte daher vor wirtschaftlichen Sanktionen für Talmud-Schulen. Der Gesetzeslage nach können diese entscheiden, ob ein Talmud-Schüler hochbegabt ist und daher ausnahmsweise vom Armeedienst befreit werden darf.
Bis vor kurzem waren Strenggläubigen vom Armeedienst befreit, wenn sie hauptberuflich ein Torah-Studium betrieben. Für alle anderen ist der dreijährige (Männer) oder knapp zweijährige (Frauen) Dienst verpflichtend. Das „Tal-Gesetz“, dass die Regelung für die Haredim festlegte, war im August 2012 ausgelaufen, nachdem es der Oberste Gerichtshof als verfassungswidrig erklärt hatte.
Unter Protesten der Ultra-Orthodoxen verabschiedete das israelische Parlament im März 2014 ein neues Gesetz, mit dem die Haredim stufenweise am Wehrdienst beteiligt werden sollen. Das Gesetz sieht weiterhin Ausnahmeregelungen für Ultra-Orthodoxe vor. So können sie den Wehrdienst, der in der Regel mit 18 Jahren beginnt, zugunsten des Torah-Studiums um einige Jahre aufschieben. Sollten sich die Quoten jedoch nicht erfüllen, können laut Gesetz auch diese Ausnahmeregelungen fallen.