Der Vorschlag für die dreitägige humanitäre Feuerpause kam von US-Außenminister John Kerry und UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Sie trat am Freitag um 8 Uhr Ortszeit in Kraft. Demnach sollten die israelischen Truppen während der Zeit der Waffenruhe im Gazastreifen bleiben. Doch bereits nach zwei Stunden gab es erste Verstöße.
Kerry hatte die Feuerpause bei einem Besuch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi bekannt gemacht. „Wir rufen alle Parteien auf, mit Zurückhaltung zu handeln, bis diese humanitäre Feuerpause beginnt und ihre Verpflichtungen während der Feuerpause vollkommen einzuhalten“, zitiert ihn die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“. „Diese Feuerpause ist entscheidend, um unschuldigen Zivilisten eine so sehr benötigte Atempause von der Gewalt zu ermöglichen.“
Der Gesandte des Nahostquartettes, Tony Blair, reagierte erleichtert: „Zu viele unschuldige Leben wurden in Gaza verloren, und Menschen blieben in Ruinen zurück. Um den Menschen in Gaza etwas Hoffnung zurückzugeben, müssen sie ein Ende dieser furchtbaren Verluste von Leben, der Zerstörung und der Isolierung von der Welt sehen.“ Der frühere britische Premierminister ergänzte: „Israelis müssen wissen, dass sie einen echten Schutz gegen Raketen, Tunnel und Terroranschläge haben. Es muss eine neue und hoffnungsvolle Zukunft für beide Seiten geben.“
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Die Feuerpause sollte dazu genutzt werden, in Kairo eine längere Waffenruhe auszuhandeln. Doch am Freitagmittag erklärte Israel die Feuerpause für beendet. Dies habe der Koordinator der Aktivitäten in den Palästinensergebieten, Joav Mordechai, dem UN-Gesandten Robert Serry mitgeteilt, meldet die israelische Tageszeitung „Ha‘aretz“.
Nach palästinensischen Angaben brach Israel die Feuerpause nach zwei Stunden durch einen Artillerieangriff im südlichen Gazastreifen. Zudem hätten Truppen das Feuer auf Palästinenser eröffnet, die ihre Häuser in grenznahen Gebieten erreichen wollten. Es habe mindestens 40 Tote und zahlreiche Verletzte gegeben. Darauf sei Alarm nahe des Grenzüberganges Kerem Schalom ausgelöst worden, schreibt die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma‘an“. Offenbar hätten Palästinenser als Reaktion Raketen auf Israel abgeschossen.
Laut „Ha‘aretz“ hingegen schlugen zwei Stunden nach Beginn der Feuerpause zwei Mörsergranaten aus dem Gazastreifen in Südisrael ein. Kurz darauf hätten palästinensische Quellen über Tote und Verletzte durch Artillerie im südlichen Gazastreifen berichtet.
Fünf Soldaten und 16 Palästinenser über Nacht getötet
Am Donnerstag wurden durch einen palästinensischen Granatenangriff auf eine Militärstellung in Eschkol fünf israelische Soldaten getötet. Damit stiegt die Zahl der Toten seit Beginn der Operation „Starker Fels“ auf israelischer Seite auf 61. Bis zum Beginn der Feuerpause feuerten Palästinenser erneut zahlreiche Raketen auf israelische Städte ab. Sirenen ertönten unter anderem in Tel Aviv, Ramat Gan, Givatajim und Sderot.
Palästinensische Quellen berichteten, Donnerstagnacht seien 16 Palästinenser bei Angriffen gestorben. Neun von ihnen hätten der Familie Al-Farah angehört, unter ihnen seien vier Kinder zwischen vier und zwölf Jahren. Insgesamt seien bislang 1.461 Menschen im Gazastreifen durch die israelische Offensive ums Leben gekommen, hieß es am Freitagmorgen. Damit habe die aktuelle Militäroperation bereits mehr Opfer gefordert als die Operation „Gegossenes Blei“ zur Jahreswende 2008/09. Israelische Kampfflugzeuge hätten das Haus des Hamas-Führers Mahmud al-Mabhuh zerstört, der zuvor in Dschabalija getötet worden war.