UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon forderte die Konflikt-Parteien auf, „sofort“ Maßnahmen zur Beruhigung der Lage zu ergreifen. In einer Stellungnahme vom Sonntag verurteilte er das „willkürliche Raketenfeuer“ auf Israel durch die Terrorgruppe Hamas als „Verletzung internationalen Rechts“ und verlangte, den Beschuss einzustellen. Zugleich zeigte sich Ban „zutiefst besorgt“ über die Folgen der israelischen Militäraktionen für die Familien im Gazastreifen.
Netanjahu: Hamas verantworlich für Zivilopfer
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu betonte in der sonntäglichen Sitzung des Kabinetts einmal mehr, mit zunehmender Stärke gegen den Raketenbeschuss vorgehen zu wollen. Er warf der Hamas vor, Raketen und Kommandozentralen in zivilen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Kindergärten zu verstecken sowie Bewohner als Schutzschilde zu missbrauchen. Daher gelte: „Für jeden Angriff auf die Bewohner des Gazastreifens, den wir bedauern, tragen allein die Hamas und ihre Verbündeten Verantwortung.“
Der Likud-Politiker ermahnte zudem die Bewohner Israels, nicht die Batterien des Abwehrsystems „Eisenkuppel“ aufzusuchen, um Raketen zu sehen. Anstatt dessen sollten sie den Anweisungen der Armee folgen und geschützte Bereiche aufsuchen, wenn Raketenalarm herrsche. Netanjahu erinnerte im Licht der gerade in Wien stattfindenden Atom-Verhandlungen mit dem Iran daran, dass die Islamische Republik Terrorgruppen im Gazastreifen wie Hamas oder Islamischer Dschihad unterstützt. „Diesem Iran darf es nicht erlaubt sein, spaltbares Material für Atomwaffen herzustellen.“
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat die Vereinten Nationen am Sonntag gebeten, den „Staat Palästina“ unter ein „internationales Schutzprogramm“ zu stellen, berichtet das israelische Nachrichtenportal „Times of Israel“. Abbas forderte demnach auch eine UN-Kommission, um die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen zu untersuchen. Außerdem forderte er von den Unterzeichnern der 4. Genfer Menschenrechts-Konventionen Sanktionen gegen die „Besatzungsmacht“ Israel.
Beschuss aus Nord und Süd
Der Raketenbeschuss aus Gaza und israelische Reaktionen setzten sich auch am Montag fort. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Beginn der Operation „Starker Fels“ vor einer Woche mehr als 1.000 Raketen auf Israel abgefeuert. 754 davon schlugen demnach in Israel ein – meist in unbewohntem Gebiet – und 201 fing die Raketenverteidigung ab.
Die israelische Armee griff mehr als 1.470 Ziele im Gazastreifen an. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma‘an“ wurden dabei mehr als 172 Palästinenser getötet. Zum ersten Mal wurde auch eine palästinensische Drone über israelischem Gebiet abgeschossen.
Auch an der Nordgrenze geht der Beschuss weiter. Am Samstag schlugen zwei Raketen aus dem Libanon im Norden Israels ein. Die israelische Armee beschoss daraufhin Raketenrampen mit Artillerie. Aus Syrien traf eine Mörsergranate am Sonntagabend israelischen Boden. Auch hier reagierte die Armee mit dem Beschuss syrische Militärposten.
Steinmeier zu Vermittlungsgesprächen erwartet
Unterdessen bemüht sich die internationale Politik um Vermittlung vor Ort zwischen den Konfliktpartnern. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist am Montag in Amman zu Gesprächen mit der jordanischen Regierung eingetroffen. Am Dienstag ist ein Treffen mit dem israelischen Außenminister Lieberman und mit Abbas geplant. In Kairo sind die Mitglieder Arabischen Liga am Montag zu einer „Dringlichkeitssitzung“ zusammengetroffen. Das Gremium bekräftigte dabei die Forderung Abbas‘ nach internationalem Schutz für die Palästinenser.
Der israelische Außenminister Lieberman betonte am Montag gegenüber der israelischen Tageszeitung „Yediot Aharonot“, ein Ende der Militäroperation sei derzeit ausgeschlossen. „Wenn wir diese Aktion jetzt beenden, ist klar, dass es nur eine Pause geben wird bis zur nächsten – und das ist es nicht wert.“