Israelis stellen Mord an Araber nach

JERUSALEM (inn) – Drei jüdische Jugendliche haben den Mord am 16-jährigen Araber Muhammad Abu Chdeir gestanden. Am Montag stellten sie die Tat am Fundort der Leiche nach.
Nach dem Mord an einem Araber aus Schuafat in Ostjerusalem haben drei Israelis die Tat nachgestellt.

Sechs junge Israelis befinden sich seit Sonntagmorgen wegen der Tat in Gewahrsam. Das Magistratsgericht Petach Tikva hat ihre Untersuchungshaft um fünf bis acht Tage verlängert. Ihnen wird die Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe und einer verbotenen Organisation vorgeworfen. Ferner stehen sie im Verdacht, eine Entführung mit Mordabsicht und einen Mord an einem Minderjährigen begangen zu haben. Weitere Vorwürfe lauten auf Waffenbesitz und ein Verbrechen aus rassistischen Motiven, schreibt die Tageszeitung „Yediot Aharonot“.
Nach Angaben des palästinensischen Generalstaatsanwaltes wurde Muhammad bei lebendigem Leibe verbrannt. Dies habe die Autopsie durch israelische Ärzte in Tel Aviv ergeben. Daran hatte sich auch der Leiter des palästinensischen gerichtsmedizinischen Institutes, Saber al-Alul, beteiligt.
Der Mord an dem arabischen Jungen war möglicherweise ein Racheakt für die Entführung und Ermordung der drei Talmudschüler, deren Leichen vor einer Woche entdeckt wurden. In diesem Zusammenhang nahmen israelische Soldaten Samstagnacht in Hebron einen Verdächtigen fest. Hussam Dufasch ist Mitglied der Hamas. Bereits vor zwei Wochen hatte zwei Mitglieder der islamistischen Organisation, Marwan Kawasme und Amar Abu Aischa, für die Entführung verantwortlich gemacht (Israelnetz berichtete).
Nach Dufaschs Festnahme hob Israel das Verbot für Palästinenser aus Hebron auf, israelisches Gebiet zu betreten. Infolgedessen können seit Sonntagmorgen palästinensische Arbeiter aus der Erzväterstadt wieder in Israel arbeiten. Während des islamischen Fastenmonats Ramadan ist es Palästinensern aus dem Raum Hebron zudem gestattet, nach Jerusalem zu reisen.

Netanjahu kondoliert

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu besuchte am Sonntag mit seiner Ehefrau Sarah die Angehörigen der drei ermordeten Jugendlichen. Sie fuhren zur Familie von Ejal Jifrach nach El‘ad, zur Familie von Nafatali Frankel nach Nof Ajalon und zur Familie von Gil-Ad Scha‘ar nach Talmon. Sie sprachen den Trauernden ihr Beileid aus.
Am Montag telefonierte Netanjahu außerdem mit dem Vater des arabischen Jugendlichen, Hussein Abu Chdeir. In dem Gespräch sagte er laut einer Mitteilung seines Büros: „Ich möchte meine Erschütterung und die Erschütterung der Bürger Israels über den abscheulichen Mord an Ihrem Sohn bekunden. Wir haben sofort gehandelt, um die Mörder ausfindig zu machen, sie werden vor Gericht kommen und man wird mit ihnen nach dem Gesetz verfahren. Wir lehnen jegliches grausames Verhalten ab. Der Mord an Ihrem Sohn ist abscheulich. Kein Mensch kann ihn dulden.“
Der Vater machte nach dem Gespräch die Laxheit der Regierung gegenüber den extrem rechten Israelis für die Tat verantwortlich: „Das Problem der israelischen Regierung ist, dass sie wegen Ihres extrem rechten Flügels nicht handelt“, zitiert ihn die Zeitung „Yediot Aharonot“. „Er will alle Gebiete. Sie können so nicht weitermachen. Jedem, der mit mir gesprochen hat, habe ich gesagt, dass ich Gerechtigkeit will, dass ihre Häuser zerstört werden, genauso wie sie die Häuser in Hebron zerstört haben, auch wenn sie nicht gestanden haben.“ Damit bezog sich der Vater auf die mutmaßlichen Mörder der drei israelischen Jugendlichen. Er sei bereit, israelische Minister in seinem Trauerzelt zu empfangen, „außer rechtsgerichteten Ministern. Die will ich nicht haben“.
Mitglieder der ultraorthodoxen antizionistischen Organisation „Neturei Karta“ besuchten unterdessen das Trauerzelt. „Wir können uns der Trauer der Familie anschließen“, sagte ein Mitglied der Gruppe. „Ich mache den Zionismus für alle bisherigen Morde verantwortlich. Wir fordern, dass das zionistische Regime Palästina verlässt und die Gebiete in die volle palästinensische Kontrolle übergehen, mit Jerusalem als Hauptstadt.“

Abbas bittet UNO um Hilfe

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas wandte sich am Sonntag an die Vereinten Nationen. Bei einem Treffen übergab er einen Brief an den Nahost-Sonderbeauftragten Robert Serry, den dieser an UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon weitergeben soll. In dem Schreiben fordert der Fatah-Vorsitzende ein internationales Komitee, das israelische Verbrechen gegen Palästinenser untersuchen soll.
„Der 15-jährige Muhammad Abu Chdeir wurde lebendig verbrannt“, heißt es darin laut der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA. „16 Palästinenser, darunter auch Kinder und Frauen, wurden in den vergangenen zwei Wochen getötet, einmal abgesehen von den fortdauernden Entführungsversuchen und Angriffen auf Kinder.“ Abbas fordert internationalen Schutz für Palästinenser gegen „verbrecherische Siedlergruppen“. Wenn die israelische Regierung wirklich Frieden wolle, müsse es diese Gruppen als Terrorgruppen behandeln. Der Präsident kündigte Schritte zum Schutz der Palästinenser an.

Israelische und palästinensische Angehörige wollen sich treffen

Die Trauernden auf israelischer und palästinensischer Seite gingen derweil einen Schritt aufeinander zu: Am Sonntag besuchte der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat die Familie Frankel. Von dort aus telefonierte er mit Hussein Abu Chdeir, um ihm zu kondolieren.
Am Ende gab der israelische Politiker das Telefon an einen Onkel von Naftali Frankel weiter. Dieser sagte nach dem Gespräch mit Muhammads Vater gemäß der Online-Zeitung „Times of Israel“: „Wir haben unser tiefes Mitgefühl mit ihrem Schmerz bekundet, von einer trauernden Familie zur anderen trauernden Familie. Ich denke, es ist sehr gut, dass sie offenbar die Schuldigen gefunden haben. Wir haben unsere absolute Empörung über das, was passiert ist, geäußert. Er hat unsere Äußerungen akzeptiert; es war für ihn wichtig, das zu hören.“
Einem Bericht der Tageszeitung „Ha‘aretz“ zufolge wurde vereinbart, dass die Angehörigen der drei Israelis der Familie Abu Chdeir bald einen Kondolenzbesuch abstatten werden.

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