Nach Entführung: Zwei Palästinenser bei Razzien getötet

HEBRON / NABLUS (inn) – Eine Woche nach der Entführung fehlt von den drei vermissten Israelis weiter jede Spur. Die Sicherheitskräfte haben im Westjordanland mittlerweile mehr als 320 Verdächtige festgenommen. Bei Razzien kamen zwei junge Palästinenser ums Leben.
Für die Suche nach den entführten Jugendlichen setzt die Armee zahlreiche Soldaten ein.

In der Nacht zu Freitag gab es an mehreren Orten Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. In der Ortschaft Dura bei Hebron warfen Jugendliche Steine auf Soldaten, berichtet die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma‘an“ unter Berufung auf örtliche Quellen. Die Israelis hätten als Reaktion direkt auf den 14-jährigen Mahmud Dschihad Muhammad Dudin geschossen. Der Junge sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.
Eine Armeesprecherin teilte mit: „Palästinenser warfen Felsbrocken und Molotowcocktails auf israelische Truppen, die mit Mitteln zur Auflösung von Demonstrationen reagierten.“ Die Soldaten hätten auch scharfe Munition eingesetzt. „Berichte, dass ein Palästinenser verletzt oder getötet wurde, werden untersucht.“ Aus dem Militär hieß es ferner, der Palästinenser, dem die Razzia galt, sei nicht gefasst worden. Die Armeeangehörigen hätten sich in einer lebensbedrohlichen Lage befunden.
Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Palästinensern kam es über Nacht auch in den Autonomiestädten Dschenin und Nablus. In Dschenin gingen laut Militär etwa 300 Palästinenser auf die Straßen. Sie eröffneten das Feuer und griffen Soldaten mit Sprengsätzen oder Felsbrocken an. Unruhen gab es überdies in den Flüchtlingslagern Kalandija und Deheische. Ein Soldat und mehrere Palästinenser erlitten Verletzungen. Einer der Verwundeten starb am Freitag in Kalandija. Palästinensischen Angaben zufolge wurde er als der 22 Jahre alte Mustafa Hosni Aslan identifziert.
Bei Razzien in Nablus hat die Armee nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen Hunderte Waffen entdeckt. Darunter sind M-16-Maschinengewehre, Granaten, Gewehre, Sprengsätze und zahlreiche Patronen. Die Soldaten stießen auch auf eine Produktionswerkstatt für Munition. Sieben gesuchte Waffenhändler wurden festgenommen.
Von den bisher etwa 320 Festgenommenen gehören 240 der Hamas an. Ein ranghoher Militärvertreter sagte der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ zufolge, 1.150 Stätten seien durchsucht worden. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) warf Israel eine „kollektive Bestrafung“ vor.
Die Hamas wiederum drohte gemäß der Onlinezeitung „Times of Israel“, die „Tore der Hölle zu öffnen“, falls Israel verhaftete Mitglieder verschleppen sollte. Sprecher Sami Abu Suhri sagte vor Journalisten in Gaza, Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu werde „alle Aktionen bereuen, die er gegen die Hamas und unser Volk unternommen hat“. Die radikal-islamische Gruppe hat die Entführung gelobt, aber nicht die Verantwortung dafür übernommen. Israel beschuldigt sie dennoch, hinter der Tat zu stecken.

Netanjahu fordert Ende des Einheitsvertrages

Der scheidende israelische Staatspräsident Schimon Peres traf sich am Donnerstag mit Angehörigen der entführten Jugendlichen. Bei der Zusammenkunft forderte er, dass Israel die Verfolgung der Hamas fortsetze. „Wir müssen weiter Druck auf die Terroristen ausüben, um ihre Finanzquellen zu entfernen“, zitiert ihn das Präsidialamt. „Genau wie es Sanktionen gegen den Iran gegeben hat, müssen wir die Sanktionen gegen jegliche Terrorquelle erhöhen.“
Unterdessen erklärte Verteidigungsminister Mosche Ja‘alon die Aktivitäten einer muslimischen Wohlfahrtsorganisation mit Sitz in Großbritannien für illegal, weil sie Verbindungen zur Hamas pflege. Die „Islamic Relief Worldwide“ (IRW) sei „eine der Quellen für die Finanzierung der Hamas“, hieß es aus seinem Büro. Manche Niederlassungen der Organisation in den palästinensischen Gebieten würden „durch Hamasmitglieder geführt“. Die Gruppe werde auch kein Geld ins Westjordanland transferieren können. Der Druck gegen die Hamas ziele auf ihre „Führer und Aktivisten, ebenso wie auf ihre zivile Infrastruktur“. In Ostjerusalem schloss die israelische Polizei zwei Einrichtungen der palästinensischen Organisation.
Netanjahu forderte derweil den PA-Präsidenten Mahmud Abbas auf, den Vertrag mit der Hamas zu lösen: „Die Hamas hat wiederholt dazu aufgerufen, israelische Bürger zu entführen und zu ermorden“, äußerte er laut Mitteilung seines Büros bei einem Truppenbesuch. Viele Länder hätten sie als Terrorvereinigung eingestuft. „Und es ist eine Terror-Organisation, die der Zerstörung Israels verpflichtet ist.“ Der israelische Premierminister ergänzte: „Ich erwarte, dass Präsident Abbas die Einheit mit dieser mörderischen Terror-Organisation auflöst. Ich denke, das ist wichtig für unsere gemeinsame Zukunft.“

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