Darwin in Israels Schulen

JERUSALEM (inn) – Das Bildungsministerium hat am Sonntag einen neuen Lehrplan für Mittelschulen bekannt gegeben, der die Evolutionstheorie beinhaltet. Darwins Lehre soll ab kommendem Jahr an allen öffentlichen Schulen gelehrt werden – jedoch ohne die Lehre, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben.
Darwin veröffentlichte im Alter von 51 Jahren seine Evolutionstheorie.

Bisher werden in Israel nur Gymnasiasten in Evolutionstheorie unterrichtet, die sich auf Biologie spezialisiert haben, heißt es in der Tageszeitung „Jerusalem Post“. Dies betrifft einen kleinen Teil der israelischen Schüler. Beim Rest der Siebt- bis Neuntklässler steht die Evolutionstheorie aktuell nicht mit auf dem Lehrplan, sondern nur der biblische Bericht über den Ursprung der Menschheit, schreibt die Onlinezeitung „Times of Israel“.
Der neue Plan des Bildungsministerium soll kommendes Jahr in allen öffentlichen Schulen greifen. Er beinhalte die wissenschaftliche Theorie der natürlichen Auslese. Aus Sorge vor Kritik durch Ultra-Orthodoxe habe das Komitee die Theorie weggelassen, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben, heißt es beim Fernsehsender „Kanal 2“. Das Bildungsministerium hält diesen Verzicht nicht für ideal, sondern er sei ein Kompromiss, um die religiöse Bevölkerung zu beschwichtigen.
Die Evolutionstheorie soll den Schülern als Teil der allgemeinen Wissenschaft und Technik beigebracht werden. Es gehe um die Ökologie, sagte die Vorsitzende des zuständigen Fachausschusses im Bildungsministerium, Nava Ben-Zvi, gegenüber der „Jerusalem Post“: „Diese Theorie zu lernen, ist die Grundlage für ein besseres Verständnis der Ökologie, das Studium verschiedener Arten und die Wechselwirkung zwischen ihnen.“

Komitee: „Keine Notwendigkeit für Widerstand Religiöser“

Die Entscheidung des Komitees sei keine überstürzte gewesen. Unterschiedliche Ausschüsse hätten Empfehlungen gegeben, die Evolutionstheorie in den Lehrplan einzuschließen. Ben-Zvi sagte: „Seit über drei Jahren haben wir über die Notwendigkeit diskutiert, den Mittelschul-Lehrplan der allgemeinen Wissenschaft und diese [Evolutionsstudien] neu zu bewerten.“
In Bezug auf die Opposition Ultra-Orthodoxer oder religiöser Gruppen sagte Ben-Zvi, sie sehe „keine Notwendigkeit für Widerstand“ des Sektors. Es gehe um die Wissenschaft und nicht darum, andere zu provozieren. Die Zeit sei gekommen, diese Studien in den Lehrplan zu integrieren.
Die Reaktionen aus dem ultra-orthodoxen Sektor waren am Wochenende gemischt: Avi Levi, der Präsident des Hemdat Hadarom Colleges, einer religiösen Hochschule, bezeichnete die Entscheidung des Bildungsministeriums als einen Fehler. Als Grund dafür nennt er die Komplexität des Themas und den Mangel an Konsens über die Gültigkeit vieler verschiedener Aspekte der Evolution zwischen den Wissenschaftlern weltweit.
Die moderate religiöse Zionisten-Organisation „Ne’emanei Torah Va’Avodah“ begrüßte die Entscheidung: „Unsere Verantwortung für die Bildung unserer Kinder umfasst, ihnen unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen, egal ob sie [allgemein] akzeptiert sind oder nicht, sowie ihre Fähigkeit zu fördern, mit diesen Perspektiven umzugehen.“

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