Livni hatte Abbas am Donnerstag in London getroffen. Nun habe Premierminister Benjamin Netanjahu sie darauf aufmerksam gemacht, dass es sich nicht um eine Begegnung im Auftrag der Regierung gehandelt habe, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“ unter Berufung auf Quellen im Büro des Regierungschefs. Netanjahu habe klargestellt, dass die Ministerin „in dieser Art Treffen nur sich selbst repräsentiert, und nicht die israelische Regierung“. Bereits vor der Zusammenkunft habe Netanjahu Livni mitgeteilt, dass es keine Verhandlungen mit einer palästinensischen Regierung gebe, solange diese mit der radikal-islamischen Hamas zusammenarbeite.
Auch Außenminister Avigdor Lieberman sprach am Samstag gegenüber israelischen Medien von einem privaten Gespräch. „Ich nehme an, dass sie privat in London war und alle getroffen hat, die sie treffen wollte“, sagte er dem Fernsehsender „Kanal 2“. „Ich bin sicher, dass es kein Treffen für Friedensgespräche war.“
Aus Livnis Büro hieß es, das Gespräch mit Abbas sei nicht in ihrem Terminplan gewesen. Es sei kurzfristig vereinbart worden, weil sich beide Politiker gleichzeitig in London aufhielten. Die Ministerin hat nach eigenen Angaben gegenüber Abbas deutlich gemacht, dass die Verhandlungen nicht andauern könnten, solange die Palästinenser die Hamas legitimierten. US-Außenminister John Kerry war in London nacheinander mit Livni und mit Abbas zusammengetroffen.
Wirtschaftsminister Naftali Bennett forderte die Justizministerin unterdessen auf, die Koalition zu verlassen. „Zippi Livni hat vor langer Zeit den Kontakt zum israelischen Wähler verloren“, sagte er. Aber mit ihrem letzten Treffen hat sie gezeigt, dass sie wie ein Satellit ist, der auf der Umlaufbahn verloren ist, ohne Verbindung zum Planeten Erde.“ Sie habe mit der Regierung dafür gestimmt, die Verhandlungen wegen des Abkommens mit der Hamas auszusetzen. Nun sei es ihr nicht gelungen, diese von ihr gestützte Entscheidung einzuhalten.
Bei den Friedensgesprächen, die am 29. April nach den vereinbarten neun Monaten ausliefen und nicht verlängert wurden, hatte die Justizministerin als Chefunterhändlerin von israelischer Seite agiert.