Zwei Tote bei „Nakba“-Unruhen

RAMALLAH (inn) – Tausende Palästinenser haben am Donnerstag im Westjordanland und dem Gazastreifen an die sogenannte „Nakba“ erinnert – die „Katastrophe“, die aus ihrer Sicht die israelische Staatsgründung vor 66 Jahren nach sich gezogen hat. Bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften wurden zwei Palästinenser getötet und mindestens drei verletzt.
Arabische Flüchtlinge in Galiläa im Herbst 1948

Erstmals seit Beginn des Konfliktes zwischen Hamas und Fatah im Jahr 2007 organisierten die beiden Parteien gemeinsame Demonstrationen im palästinensischen Autonomiegebiet.
In verschiedenen Teilen des Westjordanlandes kam es zu Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften. Bei einer Demonstration nahe des Ofer-Gefängnisses wurden zwei Palästinenser von israelischen Sicherheitskräften durch Schüsse tödlich verletzt. Bei den Getöteten handelt es sich um den 22-jährigen Muhammad Audah Abu al-Tahir und den 17-jährigen Nadim Sijam Nuwarah. Der Vorfall wird derzeit von der israelischen Armee untersucht. Die PA erklärte den heutigen Freitag zu einem nationalen Trauertag, um eine Massenteilnahme an der Beisetzung der beiden Palästinenser zu ermöglichen.
Am Kalandija-Checkpoint nördlich von Jerusalem setzten Palästinenser Reifen in Brand und bewarfen Polizisten mit Steinen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschosse ein, um die Demonstranten fernzuhalten. In Hebron wurden elf Palästinenser durch Gummigeschosse verletzt und mussten in Krankenhäusern behandelt werden.

„Die längste Besatzung in der modernen Geschichte“

In Ramallah heulten 66 Sekunden lang Sirenen und die Menschen standen still – eine Sekunde für jedes Jahr der israelischen Unabhängigkeit. Mahmud Abbas, der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), äußerte sich in einer Fernsehansprache zum „Nakba“-Tag: „An diesem 66. Jahrestag der Nakba hoffen wir, dass dieses Jahr dasjenige ist, in dem unser langes Leiden endet. Es ist Zeit, das die längste Besatzung in der modernen Geschichte endet, und Zeit für Israels Führer zu verstehen, dass es keine andere Heimat als Palästina für die Palästinenser gibt.“
Bei einer Kundgebung in Gaza betonte Sakarija al-Agha, ein Sprecher der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO): „Der nationalistische Kampf jeglicher Art wird weitergehen, um das Recht auf Rückkehr, Selbstbestimmung und einen unabhängigen Palästinenserstaat mit Jerusalem als Hauptstadt zu erlangen.“

Hintergrund

Während die Palästinenser den Tag der „Nakba“ immer am 15. Mai begehen, erinnern Araber in Israel direkt am israelischen Unabhängigkeitstag daran. Dieser wurde in Israel in diesem Jahr am 6. Mai begangen.
Der „Nakba“-Tag erinnert an die rund 700.000 Araber, die nach der Gründung des jüdischen Staates am 14. Mai 1948 flohen oder vertrieben wurden. Sie fordern ein Rückkehrrecht für alle Nachkommen derjenigen, die infolge des Unabhängigkeitskrieges aus Zwang oder freiwillig ihre Häuser verlassen haben.
Vor und während der Gründung des jüdischen Staates wurden zudem rund 900.000 Juden aus arabischen Staaten vertrieben oder flohen. International sind bislang nur die palästinensischen Flüchtlinge anerkannt.

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