In der Nacht zum Dienstag hatten Unbekannte in Fureidis die Reifen von mehr als 20 Fahrzeugen zerstochen. An die Wände einer Moschee hatten sie einen Davidsstern und die Worte „Schließt Moscheen, keine Jeschiwot (Talmudschulen)“ gesprüht. Solche Übergriffe werden als „Preisschild“-Attacken bezeichnet. Das Wort „Preisschild“ wird von einer kleinen Randgruppe jüdischer Extremisten verwendet, die nicht mit der israelischen Politik einverstanden ist. Sie will damit verdeutlichen, dass jeder Angriff auf sie oder ihre Siedlungen einen Preis hat.
Die Bewohner von Fureidis haben die Schmierereien bisher nicht entfernt. Sie wollen, dass sich auch Besucher von Außen ein Bild von der Lage machen können. Am Mittwoch ist die Stadt in einen Streik getreten. Schulen und Geschäfte blieben geschlossen, die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst legten ihre Arbeit nieder. „Wir wollen nicht noch einmal aufwachen und hier oder anderswo einen ähnlichen Vorfall erleben. Das könnte zu einer ernsthaften Reaktion führen“, betonte Scheich Abdel Rahman Abu al-Haidscha. Weiter sagte er: „Die Bewohner sind unseren Aufrufen zu einem Streik gefolgt, ich hoffe, das hilft, um dieses Phänomen auszulöschen.“ Die Stadt und ihre Bewohner forderten eine schnelle Festnahme der Täter, so Abu al-Haidscha. „Wenn das nicht passiert, sind die heiligen Stätten in Gefahr.“
Israels Staatspräsident Schimon Peres wandte sich anlässlich des Vorfalls mit einer Entschuldigung an den Stadtrat von Fureidis: „Ich entschuldige mich bei den Opfern im Namen der Bürger dieses Landes. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die guten Beziehungen zwischen Juden und Arabern in der Stadt und seiner Nachbarschaft aufrecht zu erhalten.“ Solche Taten seien verabscheuungswürdig und widersprächen den Grundlagen des jüdischen Glaubens und seiner Moral.
Oppositionsführer Isaak Herzog stattete dem Vorsitzenden des Stadtrats von Fureidis, Jussef Meree, am Mittwochmorgen einen Besuch ab. „Ich bin nicht als Opposition oder Koalition hier, sondern weil die Menschen in Israel schockiert und aufgebracht über dieses falsche und schreckliche Phänomen der ‚Preisschild-Angriffe‘ sind. Ich bin hier, um dieses Phänomen zu verurteilen.“
Vorwürfe gegen Regierung
Sami Ali, Vorsitzender des arabischen Nationalkomitees in der Nachbarstadt Dschisr as-Sarka, machte die israelische Polizei und die Regierung für die Übergriffe verantwortlich. „Sie unternehmen nicht genug, um diese Probleme und Verbrechen durch Terrorbanden gegen Araber auszulöschen.“ Die Banden agierten nicht allein, sondern würden von rassistischen Juden und Organisationen unterstützt. Diese versuchten, die Existenz der Araber zu untergraben und verbreiteten die Botschaft, dass Araber gegenüber Juden nicht gleich seien und keine Rechte hätten, sagte Ali laut der Tageszeitung „Yediot Aharonot“.
In der Nacht zum Mittwoch beteiligten sich mehr als 2.500 Menschen an einem Protestmarsch durch Fureidis. Um ihre Solidarität zu zeigen, waren auch Juden aus benachbarten Ortschaften in die arabische Stadt gekommen.