Bar-Schalom habe „Bahnbrechendes“ erreicht, um soziale Trennungen zu überwinden, erklärte Piron bei der Bekanntgabe der Preisträger. Sie habe zudem die Integration des ultra-orthodoxen Lebensstils in die höhere Bildung vorangetrieben, zitiert die Zeitung „Jerusalem Post“ den Minister.
Die Tochter des verstorbenen Rabbis Ovadia Josef gründete die Hochschule für ultra-orthodoxe Männer und Frauen im Jahr 2001. Ihr Ziel war es, die Bedürfnisse der Haredim in Bildung und Religion zu vereinen und ihnen akademische Qualifikationen zu ermöglichen. In den 90er Jahren erfuhr Bar-Schalom zunächst Gegenwind von der ultra-orthodoxen Gesellschaft. Sie ließ sich jedoch nicht davon abbringen, dass die Werte der Haredim vereinbar mit höherer Bildung und Integration in den Arbeitsmarkt seien und eröffnete die Schule trotz Gegenstimmen. Die ersten Absolventen waren im Oktober 2003 45 Frauen, die akademische Grade in sozialer Arbeit erreicht hatten.
Seitdem bietet die Hochschule zahlreiche Kurse für Bachelor- und Master-Abschlüsse an, unter anderem in Psychologie, Computer-, Medien- und Politikwissenschaften. Die Abschlüsse werden von externen Hochschulen vergeben, zum Beispiel der Bar-Ilan Universität, unterrichtet wird aber unter den Bedingungen der Haredim-Hochschule.
Nach dem Vorbild Bar-Schaloms öffneten auch zahlreiche andere Hochschulen für Haredim. Nach Angaben der „Jerusalem Post“ studieren derzeit etwa 8.000 Ultra-Orthodoxe an diesen Hochschulen.
„Adina Bar-Schalom hat erfolgreich in stürmischen Wassern von widerständigen Ideologien und großer Trennung navigiert. Sie hat einen wesentlichen Beitrag für die Gesellschaft geleistet“, sagte Piron.
Rückgang der Verkehrsunfälle um 36 Prozent
Der zweite Preisträger des Israel-Preises ist Avi Naor. 1997 gründete er die israelische Organisation für Verkehrssicherheit „Or Jarok“ (Grünes Licht). Anlass war ein Autounfall, bei dem sein Sohn gestorben war. „Or Jarok“ beschäftigt Tausende Freiwillige, die kostenlose Fahrsicherheitstrainings für junge Autofahrer veranstalten, mehr als 100 Autos für Israels Verkehrspolizei spendeten und Vorträge für Schüler, Studenten, Soldaten und Senioren zum Thema Sicherheit auf den Straßen halten.
Im Jahr 2005 startete Naor mit seiner Organisation eine Petition, die den damaligen Premierminister Ariel Scharon aufforderte, ein landesweites Programm für den Kampf gegen Verkehrsunfälle ins Leben zu rufen. 1,2 Millionen Israelis unterschrieben die Petition und überzeugten Scharon von der Dringlichkeit ihres Anliegens, schreibt die „Jerusalem Post“. Es sei die bisher umfangreichste Petition in der Geschichte Israels. Auch unter Mitwirkung von Naors Organisation ging die Anzahl der Verkehrsunfälle in den letzten zehn Jahren um 36 Prozent zurück.
„Mit seinen Aktivitäten hat er neue Standards für Management auf dem höchsten Niveau gesetzt. Im Bereich sozialer Beteiligung stellt er deshalb einen Leiter des dritten Sektors dar“, heißt es in der Beurteilung der Preisrichter. Das Komitee würdigte auch Naors Engagement im sozialen Bereich wie bei Programmen für gefährdete Jugendliche und bei benachteiligten Teilen der Bevölkerung.
„Im Kampf gegen Verkehrsunfälle und für die israelische Bevölkerung hat er sich entschieden, seine ganze Kraft und sein Vermögen in eine bahnbrechende Initiative zu investieren“, heißt es von den Preisrichtern weiter. „Or Jarok“ sei ein wichtiger Faktor bei der Reduzierung von Verkehrsunfällen in den vergangenen Jahren gewesen.
Höchste israelische Auszeichnung
Weitere Preisträger in diesem Jahr sind der israelische Physiker Mordechai Segev im Bereich Physik und Chemie, Ja‘akov Katan im Bereich Landwirtschaftliche Forschung und Umweltwissenschaft, der Talmud-Professor Schamma Friedman in der Kategorie Talmud, Rabbi Aharon Lichtenstein in jüdischer Literatur und Marta Weinstock-Rosin in der Kategorie Medizin.
Der Israel-Preis wird vom Staat Israel vergeben und gilt als die höchste Auszeichnung des Landes. Er wird seit 1953 jedes Jahr am israelischen Unabhängigkeitstag in Gegenwart des israelischen Präsidenten und Premierministers, des Knessetsprechers und des Obersten Gerichts übergeben. Neben dem Preis für das Lebenswerk wird er auch für besondere Leistungen in den Bereichen Soziales, Naturwissenschaften und Kultur verliehen. Im vergangenen Jahr erhielt ihn posthum der ehemalige Bürgermeister von Ariel, Ron Nachman (Israelnetz berichtete).