Raphael Levy hätte sein Leben durch Taufe retten können. Dem wohlhabenden Viehhändler aus Boulay in der französischen Provinz Lorraine wurde vorgeworfen, das drei Jahre alte Christenkind Didier Le Moyne aus Gratigny für rituelle Zwecke ermordet zu haben. Am 17. Januar 1670 ist er gewürgt und dann auf dem Scheiterhaufen in der Stadt Metz öffentlich verbrannt worden.
Die Ortschaft Glatigny, aus der das vermeintlich von Levy ermordete Kind stammte, hat zudem einen Bann gegen Juden verhängt. 344 Jahre lang war es Juden verboten, Glatigny zu betreten. Dieser Bann sei bis heute strikt eingehalten worden, berichtet der israelische Rundfunk.
Henry Schumann vom Verband jüdischer Gemeinden in Frankreich sagte der Zeitung „Le Figaro“, dass die Juden ihrerseits Glatigny für „verflucht“” erklärt hätten. Ihren Gemeindemitgliedern sei empfohlen worden, keinen Fuß in das Dorf zu setzen.
Historiker stellte Unschuld fest
Der französische Historiker Pierre Birnbaum hat diesen Fall einer typischen „Blutlegende“ untersucht. Er stellte 2012 in einem Buch fest, dass Raphael Levy unschuldig war.
In Glatigny hat Bürgermeister Victor Stallone nun in Anwesenheit von 100 Gästen, darunter Vertretern jüdischer Gemeinden, eine Tafel zum Gedenken an den unschuldig hingerichteten Raphael Levy enthüllt und erklärt: „Glatigny war verwünscht wegen des grundsätzlichen Bannes gegen Juden“. Das habe der Ortschaft schweren Schaden beigefügt. „Heute stehen wir an einem Neubeginn. Wir sind versöhnt und erneuern normale Beziehungen mit der jüdischen Gemeinschaft.“
Auf der Tafel mit dem Wappen von Glatigny und einem Davidstern heißt es: „Zum Gedenken an Raphael Levy, den jüdischen Märtyrer von Boulay, lebendig in Metz am 17.1.1670 verbrannt, für ein Verbrechen an dem Kind aus Glatigny, Didier Lemoine, das er nie begangen hat.“