Die nass-schweren Schneemassen ließen Bäume einstürzen, deren Äste dann Stromleitungen zerschnitten. Mehrere Stadtviertel blieben stundenlang ohne Stromversorgung, weil es auch für die Techniker der Elektrizitätswerke kein Durchkommen gab. Viele Durchgangsstraßen waren mit liegen gebliebenen Autos verstopft. Alle Autobahnen in das 800 Meter hoch liegende Jerusalem blieben gesperrt.
Polizei, Militär und Grenzschutz erlösten derweil über 2.000 in ihren Wagen stecken gebliebene Autofahrer und brachten sie in Militärlager, um sie ärztlich zu versorgen. Das Jerusalemer Kongresszentrum wurde in ein „Flüchtlingslager“ umgewandelt für Besucher aus Tel Aviv, die in die Hauptstadt gekommen sind, um den seltenen Schnee zu sehen und dann nicht mehr weiterkamen. Sie sollen mit Bussen zum Bahnhof im Süden der Stadt evakuiert und mit Sonderzügen nach Tel Aviv zurückgebracht werden, während sie ihre Autos in Jerusalem zurücklassen müssen.
Bislang keine Todesopfer
Autos und sogar Busse sind von reißenden Wüstenflüssen mitgerissen worden, weil die Fahrer nicht sehen konnten, dass die Straßendecke weggeschwemmt worden war. Dennoch habe es nach Angaben der Polizei im ganzen Land bisher keine „Todesopfer oder ernsthafte Verletzungen“ gegeben.
In Jerusalem fiel schon am Donnerstag die Straßenbahn wegen abgerissener Stromkabel aus. Sie war zeitweilig das einzig verbliebene Verkehrsmittel, da jeglicher Busverkehr wegen des Schneesturms eingestellt werden musste.
Die Jerusalemer Polizei hat Autofahrer dringend gebeten, unter keinen Umständen mit dem eigenen Wagen ins Stadtzentrum zu fahren und das Chaos noch zu erhöhen. Grundsätzlich – so die Polizei – dürfen vorläufig nur noch Fahrzeuge mit Vierradantrieb die verschneiten Straßen benutzen. Die Sicherheitskräfte warnten auch vor „akuter Lebensgefahr“, weil wegen der extrem niedrigen Temperaturen zusätzlich noch Glatteis auf den Straßen drohe.
Situation in Jordanien und Syrien schlimmer
Teilweise noch schlimmere Zustände werden aus der jordanischen Hauptstadt Amman gemeldet, die geografisch ähnlich wie Jerusalem in den Bergen liegt. Wenig bekannt ist über die Zustände in den riesigen Flüchtlingslagern im Norden Jordaniens nahe der Grenze zu Syrien, wo Hunderttausende in bitterer Kälte und bei strömendem Regen in Zeltstädten ausharren müssen. Hilfsorganisationen bemängeln den Zugang zu Syrien, wo über vier Millionen Menschen in Notunterkünften ausharren, weil sie wegen des Bürgerkriegs ihre Wohnungen verloren haben.