Trotz Finanzkrise: PA zahlt Palästinensern Haftentschädigungen

RAMALLAH (inn) – Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) zahlt den von Israel aus der Haft entlassenen Palästinensern hohe Entschädigungen. Die im August und Oktober freigelassenen 52 Ex-Häftlinge erhielten Einmalzahlungen von rund 50.000 Dollar.
Angehörige warten im Gazastreifen auf die von Israel entlassenen Häftlinge.

Zusätzlich erhalten die Palästinenser, die mehr als 25 Jahre in einem israelischen Gefängnis waren, den Status und die damit verbundenen Vergünstigungen eines stellvertretenden Ministers der PA oder eines Generals. In beiden Fällen stehen ihnen monatliche Zahlungen von rund 3.970 Dollar zu. Das berichtet die Tageszeitung „Yediot Aharonot“.
Wer 15 bis 25 Jahre in israelischer Haft war, erhält den Status eines Ministerialdirektors oder eines Brigadegenerals. Diesen Palästinensern stehen dann etwa 2.840 Dollar pro Monat zu.
Issa Abed Rabbo, der von der Gruppe am längsten in Haft saß, soll zusätzlich 60.000 Dollar erhalten. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas habe zudem angekündigt, die PA werde die Kosten für Abed Rabbos Hochzeit übernehmen, sollte er heiraten wollen. Der Palästinenser war 1984 verurteilt worden, weil er zwei israelische Wanderer ermordet hatte.
Bislang erhält bereits jeder Palästinenser, der in Israel aus Sicherheitsgründen inhaftiert ist, von der PA monatliche Zahlungen. Sie variieren je nach Länge der Haftstrafe.
„Yediot Aharonot“ zufolge befürchtet der israelische Verteidigungsapparat, dass solche Vergünstigungen radikale und bedürftige Palästinenser dazu ermutigen, sich dem Terror zuzuwenden.
Die PA befindet sich nach eigenen Angaben in der größten Finanzkrise seit ihrer Gründung und wird von zahlreichen ausländischen Geldgebern unterstützt. Ihre Schulden belaufen sich laut palästinensischen Berichten auf etwa 4,2 Milliarden Dollar. Israels stellvertretender Verteidigungsminister Danny Danon hat am Montag ein Ende der internationalen Finanzzahlungen an die Autonomiebehörde gefordert – so lange, „bis die PA aufhört, Terrorismus zu finanzieren“. „Die Welt glaubt, sie fördert den Frieden, aber die Palästinenser fördern den Terror“, sagte Danon laut des Nachrichtendienstes „Arutz Scheva“.
Mit der Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen hatte Israel als Geste des guten Willens zugesagt, in vier Schritten insgesamt 104 Gefangene freizulassen. Die erste Gruppe wurde am 13. August in die palästinensischen Gebiete gebracht, die zweite am 30. Oktober (Israelnetz berichtete).

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