Augenzeugen zufolge hatte ein Politiker, der in Lod für eine arabische Partei kandidiert, am Montagabend einen Unterstützer aufgesucht. Als er das Haus verließ, gab ein Vermummter einen Schuss auf ihn ab. Der Wahlkandidat wurde schwer am Bauch verwundet. Hunderte Anhänger kamen ins Krankenhaus. Die Polizei ist dort präsent, um Tumulte zu verhindern. Der Schütze konnte entkommen, hieß es laut der Tageszeitung „Yediot Aharonot“.
In der Küstenmetropole Tel Aviv fordert der Meretz-Abgeordnete Nitzan Horowitz den sozialdemokratischen Bürgermeister Ron Huldai heraus. Dieser ist seit 15 Jahren im Amt. Horowitz wirbt auch mit seiner gleichgeschlechtlichen Orientierung. Auf der Liste seiner Linkspartei finden sich gleich fünf homosexuelle Kandidaten.
Arabischer Boykott in Jerusalem
Jerusalem hat einen Wahlkampf zweier Politiker erlebt, die dem Likud von Premierminister Benjamin Netanjahu nahestehen: Nir Barkat und Mosche Lion. Amtsinhaber Nir Barkat kritisiert an seinem Herausforderer, dass dieser erst kürzlich in die Hauptstadt gezogen sei: „Mosche Lion ist ein Bewohner von Givatajim, wo er seine Kinder großgezogen und ausgebildet hat und wo er immer noch Steuern zahlt“, äußerte der Bürgermeister am Montag.
Lion sagte dem Sender „Kanal 2“: „Es ist Zeit für eine echte Revolution in Jerusalem, die die Lebensqualität der Bewohner verbessert. Morgen wird die Wahrheit ans Licht kommen und es wird sich herausstellen, dass ich gewonnen habe.“
Die arabischen Bewohner Ostjerusalems dürften die Abstimmung auch in diesem Jahr größtenteils boykottieren. 2008 lag deren Wahlbeteiligung bei 2 Prozent. Fuad Suleiman ist einzige Araber, der sich um einen Sitz im Stadtrat bemüht. Er stellte laut „Yediot Aharonot“ fest: „Die meisten politischen Parteien, die in Ostjerusalem aktiv sind, haben die Bewohner aufgerufen, sich nicht zu beteiligen. Auch die Palästinensische Autonomiebehörde hat eine Mitteilung veröffentlicht, in der sie die Bewohner auffordert, nicht zu wählen, um nicht den Anschein einer Akzeptanz der israelischen Herrschaft über den östlichen Teil der Stadt zu schaffen.“
Suleiman findet sich auf dem sechsten Platz der gemeinsamen Liste von Meretz und Avoda. Er war früher in Ostjerusalem ansässig.
In Haifa strebt Jona Jahav eine dritte Amtszeit an. Herausforderer Ja‘akov Borowski, ein ehemaliger Polizeikommandeur im Norddistrikt, rechnet aber zumindest mit einem zweiten Wahlgang.
Verfeindete Brüder
Kurios ist die Lage in der Ortschaft Nescher bei Haifa: Unter den fünf Bürgermeisterkandidaten finden sich zwei Brüder. Der 72-jährige David Amar hat den Posten seit 25 Jahren inne. Sein 63 Jahre alter Bruder Maschiach hat 20 Jahre lang den religiösen Rat geleitet. In diesem Jahr sind die beiden zweimal bei Likud-Vorwahlen gegeneinander angetreten. Beide Male hat der jüngere Bruder gewonnen. Daraufhin gründete der Bürgermeister eine unabhängige Liste namens „Nescher B‘Tnufah“ (Nescher im Schwung). Dies berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“.
Im August sagte David Amar der Tageszeitung „Ma‘ariv“: „Ich weiß nicht, was dahinter steckt, dass er gegen mich antritt. Niemand weiß es.“
Ein Sprecher von Maschiach Amar, Gil Misrahi, teilte mit, David sei „der beste Bürgermeister nicht nur in Nescher, sondern im ganzen Land“ gewesen. Doch in den vergangenen Jahren habe er die Stadt vernachlässigt. Er sehe sich einer Anklage ausgesetzt, weil er für sein Wohnhaus eine Gebietsaufteilung geändert haben soll. „Ich denke, sein Bruder wird ein besserer Bürgermeister sein als er.“ Die beiden hätten seit über drei Jahre nicht miteinander gesprochen, ergänzte Misrahi.
Die Wahllokale sind seit 7 Uhr Ortszeit geöffnet. Insgesamt 5.469.041 Wahlberechtigte dürfen in 191 Kommunen ihre Stimmen abgeben. Unter ihnen sind mehr als 248.000 Erstwähler. Erste Ergebnisse werden am frühen Mittwochvormittag erwartet.