Peres ehrt äthiopische Frauen zum „Sigd“-Fest

JERUSALEM (inn) – Israels Staatspräsident Schimon Peres hat am Mittwoch in Jerusalem das äthiopische „Sigd“-Fest eröffnet. Vier äthiopischstämmige Frauen wurden für besondere Leistungen geehrt.
Präsident Peres mit vier äthiopischstämmigen Frauen auf der Bühne seiner Residenz

„Die Frauen der äthiopischen Gemeinschaft haben einen schweren Weg nach Israel durchgemacht, als sie ihre Kinder allein trugen, mit seltener seelischer Stärke und mit großem Mangel“, sagte Peres laut einer Mitteilung des Präsidialamtes. „Auch die Integration in Israel war nicht leicht, und ich habe tiefste Hochachtung vor der äthiopischen Gemeinschaft.“ Bereits zum fünften Mal eröffnete das Staatsoberhaupt das „Sigd“-Fest. In der Diaspora wurde es begangen, um Jerusalem nicht zu vergessen, heute ist es das Nationalfest der äthiopischstämmigen Israelis.
Peres rief die israelischen Bürger dazu auf, Demütigung oder Rassismus gegen die äthiopische Gemeinschaft keinen Raum zu geben. „Die Hautfarbe eines Menschen kann schwarz oder weiß sein. Menschen sind nicht gleich, aber sie sind alle gleichwertig. Der moralische Unterschied liegt nicht in der Farbe eines Menschen.“

Frauen mit Durchsetzungsvermögen

Eine 48-jährige Ingenieurin wurde für bahnbrechende Erfolge in einer Elektrizitätsfirma ausgezeichnet. Sie erzählte, sie habe immer kämpfen müssen, bevor sie hohe Posten im Hightechbereich erhielt. Oft sei sie nur aufgrund ihres Lebenslaufes nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. „Sie glaubten einfach nicht, dass der Lebenslauf auf dem Blatt und die Frau, die vor ihnen steht, derselbe Mensch ist.“
Eine 61 Jahre alte Pädagogin erhielt die Würdigung wegen ihres Beitrags für das israelische Bildungswesen. „Jeder Mensch, der mir sagte: ‚Versuche nicht, Wissenschaften zu studieren, das wird zu schwer für dich sein‘, gab mir nur die Kraft, mehr zu lernen und nach vorne zu laufen“, blickte sie auf ihre Schwierigkeiten zurück. „Heute unterrichte ich alle Fächer, von denen die Angehörigen der Gemeinschaft dachten, ich würde daran scheitern. Als Lehrerin komme ich als Erste in die Schule, gebe Arbeiten pünktlich zurück und investiere mehr – und das alles, um zu beweisen, dass eine äthiopische Lehrerin keine weniger gute Pädagogin ist.“
Eine Schauspielerin des Cameri-Theaters vertrat bei dem Empfang die in Israel geborene Generation. „Ich hatte das Glück, in Israel geboren zu werden, und deshalb habe ich weniger Schwierigkeiten mit der Integration erlebt“, sagte die 31-Jährige. Gleichzeitig äußerte sie die Hoffnung, dass sich die Probleme der äthiopischen Gemeinschaft verringern würden. Eine 34-jährige Schriftstellerin las aus ihrem Buch über die Israelis, die aus Äthiopien stammen.
Priester Samai Elias spendete den traditionellen Priestersegen. Er dankte Peres für dessen Offenheit: „Sie sind der erste Staatspräsident und der Pionier, der sein Herz und seine Residenz für die Integration der äthiopischen Gemeinschaft geöffnet hat. Für uns ist das ein Vorrecht, in der Residenz des Präsidenten die Feierlichkeiten zum Sigd jedes Jahr zu eröffnen. Der Prozess der Integration ist nicht leicht und wir müssen weiter für die äthiopische Gemeinschaft tätig sein. Es gibt für uns alle einen gemeinsamen Nenner – dass wir Juden sind, und jetzt auch Israelis.“
Auch die erste stellvertretende Knessetvorsitzende mit äthiopischen Wurzeln, Penina Tamanu, und der Abgeordnete Schimon Solomon waren bei der Zeremonie zugegen.

Hintergrund

Anfang des Jahres 2008 hatte die Knesset das „Sigd“-Fest als nationalen Feiertag anerkannt. Dieser Festtag besteht aus zwei Teilen. Von morgens bis mittags fasten und beten die Teilnehmer und bitten um Vergebung, ähnlich wie am jüdischen Feiertag Jom Kippur. Am Nachmittag folgt der fröhliche Teil, bei dem vor allem musiziert und getanzt wird. Während der Feierlichkeiten werden Gebete auf Ge‘ez rezitiert, einer alten äthiopischen Sprache, die heute nur noch von äthiopischen und eritreischen orthodoxen Kirchenführern benutzt wird.
Auch als die äthiopischen Juden noch in Afrika lebten, begann das „Sigd“-Fest als Fastentag. Im Laufe dieses Tages bestiegen die Gläubigen in einer Prozession den Gipfel eines Berges und trugen die äthiopische Torah mit sich. Dann rezitierten sie Gebete, Psalmen und Verse aus dem Buch Nehemias. Mit dieser Zeremonie wurde des Empfangs der Torah auf dem Berg Sinai gedacht. Beim Abstieg wurde schließlich das Fasten gebrochen, es wurde musiziert, gesungen und getanzt.

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