Netanjahu äußerte sich erstmals öffentlich zur Einigung zwischen den USA und Russland über den Umgang mit Syriens Chemiewaffen. Nicht Worte, sondern Taten müssten die Ergebnisse bestimmen, betonte Israels Regierungschef. Sein Land müsse für jeden Fall „bereit und vorbereitet sein, um sich selbst gegen jede Bedrohung zu verteidigen“. Dies sei wichtiger als je zuvor.
Der nach dem Jom-Kippur-Krieg zustande gekommene Friedensvertrag mit Ägypten wäre nicht geschlossen worden, „wenn unsere Nachbarn nicht wüssten, dass wir auf dem Schlachtfeld nicht besiegt werden können“, so Netanjahu laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“. „Wir befinden uns jetzt in einem neuen Zeitalter. Mitten in einem regionalen Erdbeben, das seit der Staatsgründung noch nie dagewesen ist. Wir stehen neuen Herausforderungen gegenüber: Raketen, Cyberkriegen und Massenvernichtungswaffen.“
Israels Führung müsse weise handeln und dürfe sich nicht Illusionen oder vergeblichen Hoffnungen hingeben. „Sie muss die gesamte strategische Karte beachten. Sie muss immer vorbereitet sein. Manchmal muss sie die schwierige Entscheidung zwischen schlecht und schlechter treffen und sie muss die Existenz des Staates Israel gewährleisten.“ Diese Existenz basiere nicht nur auf den Verteidigungsmöglichkeiten des Landes, sondern auch auf den Möglichkeiten in der Offensive, und auf dem Wissen des Feindes, dass der Preis für Aggressionen gegen Israel zu hoch ist.
Verteidigungsminister Mosche Ja‘alon, der wie Netanjahu im Jom-Kippur-Krieg gekämpft hatte, ging ebenfalls auf den Plan zum Umgang mit Syriens Chemiewaffen ein. Er hoffe, dass die Einigung tatsächlich zu einer Offenlegung der Waffenverstecke führe.
Staatspräsident Schimon Peres erinnerte an die Überraschung des Krieges vor 40 Jahren: „Jeder Mann und jede Frau, die damals in Israel gelebt haben, werden nie diesen schrecklichen Moment vergessen, der den Staat erschüttert und seine Ruhe vernichtet hat.“ Die „Tore des Himmels waren an diesem Tag nicht geöffnet. Gebete wurden nicht erhört. Die Krieg brach aus.“ Als wahren Sieg nach dem Krieg bezeichnete Peres den Friedensvertrag mit Ägypten. Der Präsident versicherte, Israel sei heute bereit, um sich wenn nötig jeder Herausforderung zu stellen und sich zu verteidigen.
Hintergrund
Am frühen Nachmittag des 6. Oktober 1973, am Jom Kippur, griff eine Staatenkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens den jüdischen Staat an. Die israelische Regierung war überrascht. Als knapp drei Wochen später ein Waffenstillstand in Kraft trat, waren 2.656 israelische und schätzungsweise 18.500 arabische Soldaten tot, mehr als 40.000 verletzt. Damit ist der Jom-Kippur-Krieg der bislang blutigste arabisch-israelische Waffengang.
Einen ausführlichen Rückblick auf den Krieg durch einen damaligen Vertreter der israelischen Militärverwaltung lesen Sie hier: http://www.israelnetz.com/hintergrund/detailansicht/aktuell/fatale-ueberheblichkeit/#.UjWdN2RJU34