Israelische Soldaten hatten am Montagmorgen im Flüchtlingslager Kalandija bei Ramallah drei Palästinenser erschossen (Israelnetz berichtete). Wegen dieses „israelischen Verbrechens“ habe die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) das für den Abend geplante Treffen ausfallen lassen, sagte ein palästinensischer Vertreter der Nachrichtenagentur AFP.
Der israelische Fernsehsender „Kanal 2“ berichtet hingegen von einer neuen Runde „ernsthafter“ Gespräche in Jericho. Daran hätten unter anderen die israelische Justizministerin Zippi Livni und der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat teilgenommen. Israel habe deutlich gemacht, dass es bereit sei, über den Austausch von Gebieten und das Jordantal zu sprechen.
Der Sprecher von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, Mark Regev, sagte angesichts der gewaltsamen Zusammenstöße laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“: „Ich hoffe, wir können eine Situation erreichen, in der die israelische Polizei nicht länger Orte wie Kalandija auf der Suche nach den Verantwortlichen für Terror und Gewalt betreten müssen.“
Das US-Außenministerium dementierte, dass es eine palästinensische Absage gegeben habe. Sprecherin Mari Harf erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Ich kann versichern, dass keine Treffen abgesagt wurden. Die Parteien sind mit ernsthaften und anhaltenden Verhandlungen beschäftigt.“ Über Termine und Inhalte würden weiterhin keine genauen Angaben gemacht.
Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua beruft sich in ihrer Berichterstattung auf eine anonyme „gut informierte palästinensische Quelle“. Ihr zufolge hätten sich israelische und palästinensische Unterhändler am Montag in Jericho unter Ausschluss der Medien getroffen. Das Gespräch habe in Erekats Haus stattgefunden. Gesandte der USA seien nicht zugegen gewesen.
„Erekat protestierte gegenüber seinen israelischen Kollegen dagegen, dass zuvor drei Palästinenser durch die Schüsse der israelischen Soldaten in Nordramallah getötet worden waren“, zitiert Xinhua die palästinensische Quelle. Zuvor habe der PLO-Vertreter Jasser Abed Rabbo hingegen mitgeteilt, die Palästinenser hätten die Verhandlungsrunde abgesagt.
UNRWA-Mitarbeiter unter Toten
Unterdessen zeigen Video-Bilder, dass israelische Militärjeeps in Kalandija in einen palästinensischen Hinterhalt geraten sind. Von Dächern aus warfen Palästinenser demnach Felsbrocken und andere Gegenstände aus vielen Richtungen auf die Fahrzeuge. Daraufhin schossen die Soldaten auf die Angreifer. Drei Palästinenser starben, 15 weitere erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Wie das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) bekanntgab, war einer der drei Toten, der 34-jährige Rubin Siad, ein Mitarbeiter der Organisation.