Die größte Kundgebung gab es in Tel Aviv. Dort gingen rund zehntausend Menschen auf die Straße. Die Demonstranten warfen Lapid vor, mit seinen Sparplänen ausgerechnet die Mittelklasse zu verraten, aus deren Kreisen er bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten habe. Auch in Jerusalem, Haifa, Modi‘in, Rischon LeZion und Aschdod gab es Demonstrationen.
Daphni Leef, eine Organisatorin der Sozialproteste im Sommer 2011 in Tel Aviv, forderte Lapid dazu auf, die Wohlhabenden zur Kasse zu bitten. Wohin die Proteste führten, liege in Lapids Händen, sagte Leef laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“. Sie fügte hinzu: „Ich hoffe nur, es wird nicht gewalttätig.“
Lior Zur, eine Demonstrantin aus Tel Aviv, warf Lapid vor, den Weg der früheren Regierung zu gehen: „Lapid hat uns allen die Illusion verkauft, dass er die Dinge ändern und der Mittelschicht helfen wird, aber in Wirklichkeit führt er nur dieselbe Politik von Macht und Geld fort, die es bereits zuvor gab.“
Proteste gegen Gasexporte
Demonstrationen gab es auch in Ramat Gan, vor dem Haus von Silvan Schalom, Minister für Energie und Wasser. Etwa 300 Menschen protestierten dort gegen Pläne Israels, Gas ins Ausland zu exportieren. Die Teilnehmer blockierten kurzzeitig die Jabotinsky-Straße, eine Hauptverkehrsader. Bei der Kundgebung gab es Zusammenstöße mit der Polizei. Mindestens zwei Demonstranten wurden verhaftet.
Kritik an Steuern für Touristen
Vor dem Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu in Jerusalem gab es am Montagmorgen ebenfalls Proteste. Hunderte Menschen demonstrierten gegen Lapids Pläne, die Mehrwertsteuerbefreiung für Touristen zu kippen. Die Demonstranten kritisierten, dass damit die ohnehin hohen Preise für Urlaubsreisen nach Israel weiter steigen. Dies könne sich negativ auf die Tourismusbranche auswirken.
Abstimmung über Haushaltsplan
Unterdessen beschloss das Sicherheitskabinett eine weniger drastische Kürzung des Verteidigungshaushalts als zuvor geplant. Lapids Haushaltsplan sieht für 2013-2014 Einsparungen beim Militär von umgerechnet rund 863 Millionen Euro vor. Nach ausgiebigen Beratungen am Wochenende entschieden sich die Minister für Kürzungen von umgerechnet rund 648 Millionen Euro. Die Differenz soll durch Reserven des Finanzministeriums gedeckt werden und nicht zu Lasten des Steuerzahlers gehen.
Über Lapids Haushaltsplan soll das gesamte Kabinett am heutigen Montag abstimmen. Spätestens bis zum 10. Juni muss der Plan dann der Knesset zur Abstimmung vorgelegt werden. Diese muss ihn bis zum 30. Juli bestätigen, damit er am 1. August in Kraft treten kann.