„Vergib mir, Bruder“, so lautet die SMS, die Ali Saghal am frühen Dienstagmorgen von seinem Bruder Salam erhielt. Wenig später erstach Salam den fünffachen Familienvater Borovsky an der Tapuach-Kreuzung im Westjordanland südlich von Nablus.
Während die Hinterbliebenen des Ermordeten trauern, verteidigt Salams Familie seine Tat: „Es war Schicksal, und wir als Familie sind stolz auf ihn. Was er getan hat, ist eine Pflicht für alle Palästinenser, die mit der Aggression der Armee und der Siedler leben müssen“, erklärte der Vater der Mörders, Assad Saghal, laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“.
Unterdessen untersuchen die israelischen Sicherheitskräfte auch, ob Salam mit seiner Tat etwas für die Familienehre tun wollte. Wie die „Jerusalem Post“ berichtet, hat diese durch Assad Saghals Bruder, Abdulfattah, Schaden genommen. Dieser wird von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verdächtigt, für Israel spioniert zu haben. Dafür wurde ihm eine zehnjährige Haftstrafe auferlegt. Da seine Familie jedoch sehr arm ist, wurde er auf Kaution freigelassen, heißt es in der Meldung weiter. Abdulfattah sagte zu den Vorwürfen selbst: „Ich habe ein Jahr gesessen. Sie sagten, ich hätte informiert, aber sie liegen absolut falsch und sie haben keine Beweise.“
Was auch immer Salams Intention für den Mord war, fest steht: Er ist kein unbeschriebenes Blatt. Erst vor zwei Monaten war er aus israelischer Haft entlassen worden. Er hatte eine dreieinhalbjährige Strafe abgesessen, weil er einen Sprengsatz an der israelischen Sicherheitsanlage im Westjordanland deponiert hatte. Zudem hatte er versucht, einem israelischen Soldaten die Waffe zu entwenden. Salams Bruder Ali sagte dazu: „Sie haben ihn aus einem Gefängnis entlassen, und wohin? In dieses Freiluftgefängnis?“ Salam sei arbeitslos gewesen und habe in den vergangenen Wochen immer wieder über das Märtyrertum der Palästinenser in israelischen Gefängnissen gesprochen. „Er hatte tiefes Mitgefühl für ihre Leiden, aber er schien normal.“