Kommentar: Israel – 65 Jahre jung

Am 5. Ijar 5708 jüdischer Zeitrechnung wurde im Alten Museum in Tel Aviv der „Staat Israel“ ausgerufen. Dass der Staat 65 Jahre später, jetzt im April 2013 christlicher Zeitrechnung, noch immer existiert, war am Anfang nicht abzusehen. Der 65. Unabhängigkeitstag „Jom Ha‘Atzmaut“ beginnt am Montagabend.
Am Unabhängigkeitstag Jom Ha'Atzmaut zeigt die israelische Luftwaffe ihre Künste.

Nüchtern soll es damals die US-Administration beurteilt haben: Das jüdische Abenteuer im Nahen Osten werde die nächsten Wochen nicht überleben. Das war keine weltfremde Einschätzung. Die Ausrufung des Staates Israel geschah in einer Zeit heftiger Kämpfe im ganzen Land, die am 15. Mai in den ersten Nahostkrieg mündeten. Da griffen reguläre Truppen aus Ägypten, Syrien, Jordanien, dem Libanon und ein Kontingent aus dem Irak den „Judenstaat“ an. Für die rund 600.000 Juden im ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina sah es nicht so aus, als würden sie diesen Krieg überstehen und einen Staat Israel dauerhaft halten können. Am 29. November 1947 hatte die UN-Vollversammlung mit Mehrheit dem Teilungsplan für Palästina zugestimmt, wobei an dem Tag schon absehbar war, dass alle umliegenden arabischen Staaten und weitere Länder der islamischen Welt dieses Ergebnis bekämpfen würden.

Wenig Freunde – viele Feinde

Die Gründung Israels 1948 geschah im Schatten des Zweiten Weltkrieges, der viele Landkarten veränderte. Die USA hatten politische Großbaustellen in Europa und im Fernen Osten. Amerika hatte an allen Fronten gesiegt, doch neue Gegner formierten sich. Das Sowjetreich ragte bis an die Elbe und im Schulterschluss mit China sammelte sich die halbe Welt unter der roten Fahne des Kommunismus.
Dazwischen lag der Orient mit dem Experiment „Israel“. Der Westen konnte sich kaum um den aufkommenden Nahostkonflikt kümmern und wollte es wohl auch nicht. Großbritannien war dabei, das Kolonialreich zu verlieren. Das Empire zerbröselte. Für die Engländer waren Afrika und vor allem der indische Subkontinent im Blick. Aber Israel? Zu bedenken ist: Die Alliierten hatten bis 1945 halb Deutschland mit Bomben umgepflügt. Es gab kaum eine Stadt, die unversehrt geblieben war. Wenige Wochen vor Kriegsende wurde in einem barbarischen Feuersturm das völlig überfüllte Dresden zerstört. Doch nie wurden Bahnlinien nach Auschwitz bombardiert. Die Züge rollten nahezu unbehindert, die Öfen brannten bis zuletzt. Die Welt hatte wenig Interesse für Juden gezeigt. Nach Kriegsende waren Überlebende bald darauf in neuen Zwängen. Jüdische Flüchtlinge, die übers Mittelmeer ins Land wollten, wurden oft abgefangen und auf Zypern interniert. Doch anders als im legendären Buch „Exodus“ fuhren ihre Schiffe nicht nach Palästina, sondern mussten nach Hamburg.
Doch dann wurde das Wunder Wirklichkeit: Entgegen arabischer Ankündigungen konnten die Juden nicht ins Meer getrieben werden. Israel hat den ersten Nahostkrieg überstanden und weitere Kriege sowie anhaltenden Terror. Der Staat hat sich entwickelt, was unter diesen Bedingungen auch als Wunder gelten darf. Aus einer rückständigen Region, die bis 1917 zum Osmanischen Reich gehörte, wurde ein modernes Gemeinwesen westlicher Prägung. Grundgesetzliche Regelungen geben den Menschen demokratische Freiheiten. Eine starke Armee und ein großer Sicherheitsapparat bieten ausreichend Schutz für Land und Volk.

Moderner Staat – alter Konflikt

Hier in Deutschland sehen wir Israel meist durch die Brille medialer Meinungsmacher. Es geht meist nur um Siedler und Siedlungen, um Terror und den Palästina-Konflikt. Doch Israel ist mehr: Nahezu geräuschlos hat Israel in den vergangenen Jahren die weltweite Bankenkrise gemeistert. Der Schekel war durch kluge Finanzpolitik weit weniger betroffen als andere Währungen. Die Entwicklung der Industrie setzt Maßstäbe, vor allem im Hightech-Bereich. Der USB-Stick stammt aus Israel. Bestimmte Prozessoren in unseren Smartphones sind israelische Entwicklungen, ebenso Komponenten der Navigationssysteme. In der Medizin, vor allem der Altersmedizin, ist Israel weltführend. Die Wüsten-Landwirtschaft gleicht einem Wunder. Andererseits gibt es Probleme im Land. Der Mittelstand hat zu knabbern. In den vergangenen Jahren gab es Massenproteste im ganzen Land. Tausende waren auf der Straße. Viele klagen heute: Sprit ist zu teuer, ebenso Energie und Lebensmittel. Die Integration bleibt eine Aufgabe und die Umbrüche in der arabischen Welt sind eine große Herausforderung.
Israels Bevölkerung hat die acht Millionen überschritten. Mehr als sechs Millionen Juden leben im Lande. Daneben Araber christlichen und islamischen Glaubens, Drusen, Tscherkessen und andere. Gerade Araber erklären nicht selten, dass sie lieber in Israel als in jedem arabischen Staat leben wollen. Das sagen gelegentlich auch Araber, die in besetzten Gebieten leben. Keine Frage, Besatzung muss niemand schön reden, erst recht nicht Härten und Übergriffe. Das israelische Angebot „Land für Frieden“ vom Sommer 1967 hat die Lösung leider nicht gebracht. Die Palästinenserführer wollten und wollen beides nicht – weder Land noch Frieden. So bleibt für Israel der Makel einer Besatzungsmacht, denn Israel will wohl Frieden, aber nicht das Land und vor allem nicht dessen Bevölkerung. Der Konflikt besteht.
Der „Staat Israel“ ist gerade 65 Jahre jung und kann doch auf eine Jahrtausende zählende Geschichte zurückblicken. Am Anfang, so schreibt die Bibel, waren eine Erwählung und eine Befreiung durch einen Gott, der sich als Herr der Weltgeschichte vorstellt. Dieser Gott hat zu dieser Erwählung gestanden und sich als Gott Israels mit Land und Volk verbunden. Und so wird das jüdische Abenteuer im Nahen Osten Zukunft haben.

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