Das Bildungszentrum Ariel war im Juli zur achten Universität des Landes hochgestuft worden – Gegner dieser Entscheidung sprachen von einem „moralischen Tiefpunkt“ für Israel (Israelnetz berichtete). Zum ersten Mal seit dieser Aufwertung suchte Netanjahu die Hochschule auf, wie der Radiosender „Galei Zahal“ auf seiner Internetseite meldet.
„Ich möchte der Welt klarmachen: Die Gefahr für die Welt liegt nicht in der Universität Ariel. Die Gefahr für die Welt liegt nicht darin, dass Israel Stadtviertel in Jerusalem baut“, sagte der Regierungschef in Ariel laut einer Mitteilung seines Büros. „Die Gefahr ist der Iran, der Atomwaffen baut. Die Gefahr sind Syriens Arsenale von chemischen Waffen. Ich rufe die Welt auf, davon Notiz zu nehmen.“
Netanjahu fügte hinzu: „Die Geschichte wird diejenigen scharf verurteilen, die das demokratische Israel, das eine Universität errichtet, und diktatorische Regime, die ihre Leute abschlachten und die atomare Massenvernichtungswaffen haben, gleichsetzen. Wir bleiben unserem Heimatland treu. Wir werden weiter unsere Bürger verteidigen, unser Land entwickeln und unser Land aufbauen. Mit Gottes Hilfe werden wir aufbauen und dabei Erfolg haben.“
In Ariel ließ sich der Premierminister eine Apparatur zeigen, die es einmal in Israel und weltweit insgesamt nur sechsmal gibt: einen elektrostatischen Beschleuniger / Freie-Elektronen-Laser (EA-FEL). Er dient der israelischen Universität für die Forschung auf dem Gebiet der Medizin, der Sicherheit und der Medien.
Netanjahu traf zudem mit führendem akademischem Personal zusammen. Begleitet wurde er von Bildungsminister Gideon Sa‘ar. Dieser wies darauf hin, dass vor der Aufwertung Ariels 40 Jahre lang keine neue Forschungsuniversität errichtet worden sei. „Die Universität Ariel ist ein Segen nicht nur für das akademische Personal, die Einrichtung und die Region, sondern sie ist ein Segen für das gesamte System der höheren Bildung im Staat Israel.“
Besuch in Siedlung geheimgehalten
Zudem besuchte der Likud-Vorsitzende die nahe gelegene Siedlung Rechelim, die von palästinensischen Dörfern umgeben ist. Sie wurde 1991 als illegaler Außenposten östlich von Ariel gegründet. Anlass war der Tod von Rachel Druk aus der Siedlung Schiloh bei einem palästinensischen Terroranschlag. Bereits 1988 war Rachel Weiss bei einem Attentat im Jordantal ums Leben gekommen. Der Name der Ortschaft heißt übersetzt „zwei Rachels“. Rechelim wurde 1994 von der israelischen Regierung legitimiert.
Netanjahus Besuch in der Siedlung war vorher teilweise geheimgehalten worden, Journalisten waren ausgeschlossen. Nach Einschätzung der Tageszeitung „Ha‘aretz“ gab es dafür nicht nur Sicherheitsgründe, sondern auch diplomatische Motive. Im Gegensatz zum Termin in Ariel wurde dieser Besuch nicht vom Büro des Premierministers organisiert, sondern vom Wahlkampfbüro des Likud. Die Zeitung wertete ihn als Versuch, Likud-Wähler zurückzugewinnen, die zur Partei „HaBait HaJehudi“ tendieren. Mehrere Abgeordnete des Likud, die als eher extrem gelten, begleiteten ihren Parteichef nach Rechelim, unter ihnen Se‘ev Elkin, Danny Danon und Juli Edelstein.
Vor Bewohnern der Siedlung sagte Netanjahu: „Wir sind einem Angriff auf die Siedlungen und auf unsere Existenz im Staat Israel ausgesetzt. Wenn die Liste Likud-Israel Beiteinu stark ist, werden wir die Zukunft der Siedlungen manövrieren, lenken und uns weiter darum kümmern. Wenn die Unterstützung nachlässt, wird die Zukunft der Regierung in Gefahr sein, und ebenso die Zukunft der Siedlungen.“