Sowohl im Lesetest, dem sogenannten PIRLS, als auch in Mathe und Naturwissenschaften (TIMSS) liegen israelische Schüler über dem weltweiten Durchschnitt. Den größten Fortschritt haben sie im Rechnen gemacht: Hier erreichten die Viert- und Achtklässler den 7. Platz von 42, während sie 2007 noch den 24. Platz belegten. Verbesserungen gab es auch in den Naturwissenschaften: Israel kam auf Rang 13, zuvor war es noch Platz 25. Auf die ersten Plätze kamen die Schüler aus Südkorea, Singapur und Taiwan.
Im Lesen erreichten die israelischen Schüler den 18. Platz, vier Jahre zuvor kamen sie auf Platz 31. Im Test wurden das Leseverständnis, die Selbstwahrnehmung und die Einstellung zum Lesen von Schülern aus 45 Ländern untersucht.
Bildungsunterschiede im Land Israel
Innerhalb Israels sind zwischen arabischen und jüdischen Schülern Unterschiede zu verzeichnen, berichtet die Zeitung „Jerusalem Post“. So erreichten jüdische Schüler in Mathe einen Durschnitt von 536 Punkten, während arabische Schüler 465 Punkte schafften. Damit liegen sie knapp unter dem weltweiten Durchschnitt von 467 Punkten. Arabische Schüler liegen auch im Lesen unter dem Durchschnitt, während jüdische Schüler in dieser Disziplin auf Rang 2 kämen, würde man sie gesondert bewerten. Beide Gruppen wurden jeweils in ihrer Muttersprache geprüft.
Im Bereich Naturwissenschaft sind sowohl arabische wie auch jüdische Schüler überdurchschnittlich gut. Dabei kämen jüdische Schüler auf Platz 9, arabische Schüler auf Platz 21.
Für die „Abraham Fund Initiative“, eine Organisation, die sich um die Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern bemüht, sind die Unterschiede auf die verschiedenen Bildungssysteme zurückzuführen. Sie seien „das Ergebnis ungleicher Investitionen in zwei Bildungssysteme“. Für die Regierung sei dies ein Hinweis, Mittel aufzubringen, um die Unterschiede zu begleichen.
In Israel gibt es aufgrund der vielfältigen kulturellen Struktur des Landes zahlreiche Schultypen, darunter die staatlich-säkularen oder die staatlich-religiösen, die jüdische Studien in den Vordergrund stellen. In staatlichen arabischen Schulen ist Arabisch die Muttersprache und Hebräisch erste Fremdsprache. Der Schwerpunkt liegt hier auf arabischer Geschichte und Kultur. Neben den staatlichen Schulen gibt es unabhängige Schulen religiöser Gruppen.
Bildungsminister spricht von „Revolution“
Der israelische Bildungsminister Gideon Sa‘ar (Likud) betonte, dass sich Schüler aus allen Gesellschaftsbereichen verbessert hätten: „Die Erfolge israelischer Schüler in diesen Prüfungen bedeuten eine Revolution. In diesen Tests erreichten die Schüler über sozioökonomische Grenzen hinweg die besten Ergebnisse, seitdem sich Israel an den Prüfungen beteiligt.“ Sa‘ar erklärte außerdem, die schlechten Ergebnisse der letzten Runde seien auf den damaligen Lehrer-Streik zurückführen.
Allerdings bemerkt die „Jerusalem Post“, dass sich zwar alle verbessert hätten. Dennoch ließen sich Unterschiede entlang der gesellschaftlichen Grenzen feststellen. In allen Disziplinen schnitten die Kinder aus ärmeren Familien schlechter ab als die aus der Mittelklasse oder aus reichen Familien.
Die Prüfungen sowohl im Lesen wie auch in Mathe und Naturwissenschaften wurden zeitgleich im Mai 2011 an über 300 israelischen Schulen durchgeführt. Die Auswahl der Bildungseinrichtungen erfolgte durch die Initiatoren der Studie, das Internationale Studienzentrum am amerikanischen Boston College. Die Schulen der ultra-orthodoxen Juden waren nicht beteiligt.