Protest gegen Offensive, Solidarität mit Südisrael

TEL AVIV / NAZARETH / RAMALLAH (inn) – Mehrere hundert Israelis haben Samstagnacht in Tel Aviv gegen die „Operation Wolkensäule“ demonstriert. Arabische Knessetabgeordnete solidarisierten sich mit den Opfern im Gazastreifen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas spornte die Palästinenser zu „friedlichen Kundgebungen gegen die israelische Aggression“ an.
In Nazareth haben Israelis ihre Solidarität mit den Palästinensern im Gazastreifen bekundet.

Die Demonstranten in Tel Aviv forderten eine sofortige Feuerpause. Der Militäreinsatz in Gaza sei Teil des Wahlkampfes von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Außerdem wolle er von sozialen und anderen akuten Problemen ablenken, die sonst möglicherweise zum Gesprächsthema würden, sagte eine Teilnehmerin laut einem Bericht der Tageszeitung „Jerusalem Post“.
„Kinder in Sderot und Gaza wollen Frieden“, skandierten die Demonstranten und kritisierten die „Besatzung“. „Juden und Araber fordern gemeinsam eine Feuerpause“, teilte der Aktivist Juval Itah gegenüber der Zeitung mit. „Ich mache mir nicht mehr aus Juden als aus Palästinensern in Gaza, ich möchte nicht, dass irgendjemand stirbt…“ Auf die Frage, wie dem Raketenbeschuss auf Südisrael ein Ende gesetzt werden könne, entgegnete er, „durch Frieden“ und Dialog mit Hamas.
Auch in Nazareth gab es am Samstag eine Protestkundgebung. Der Vorsitzende der arabischen Hadasch-Partei, Muhammad Barakeh, sagte dort: „Ich beschuldige die israelische Regierung, sowohl israelisches als auch palästinensisches Blut zu vergießen. Ich trauere um Opfer auf beiden Seiten. Zivilisten müssen aus dem Kreislauf des Schreckens herausgeholt werden. Netanjahu irrt, wenn er meint, die Operation werde Ruhe bringen. Das wird nicht geschehen.“
Der Abgeordnete des israelischen Parlaments fügte an: „Diese Operation ist durch Parteipolitik motiviert. Sie wurde begonnen, um Netanjahu zu helfen, die Wahlen zu gewinnen und nach der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama jegliche Möglichkeit auf ernsthafte Verhandlungen auszumerzen.” Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich an dieser Demonstration rund 1.500 Juden und Araber.
Gedenken an Palästinenser auf israelischer Parteiversammlung
Ebenfalls in Nazareth veranstaltete die arabische Balad-Partei am Samstag ihre internen Wahlen für die Knessetkandidatur. Vor der Abstimmung hielten die Mitglieder eine Schweigeminute für die Toten in Gaza ab. Die israelische Abgeordnete Hanin Suabi äußerte die Ansicht, die israelische Operation verstoße gegen internationales Recht und das Recht der Palästinenser, in Frieden zu leben. „Dies ist ein Teil von Netanjahus Wahlkampf. Offenbar zahlt es sich aus“, merkte sie gegenüber der Zeitung „Yediot Aharonot“ an. „Wir sind für Frieden ohne Besatzung.“ Israel führe einen „feindlichen Krieg gegen die Palästinenser in Gaza“.
Der Parlamentarier Dschamal Sahalka schloss sich der Auffassung seiner Parteigenossin an: „Jeder, der während der letzten Operation getötet wurde, ist ein Opfer der Besatzung, und die israelische Regierung ist schuld.“
Ein Balad-Mitglied, das namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: „Ich denke, wir sollten Schweigestunden begehen im Gedenken an die Märtyrer, die in Gaza getötet wurden. Die Regierung tötet Bewohner, die nichts mit dem Krieg zu tun haben.“
Der palästinensische Präsident Abbas ermutigte unterdessen die Bevölkerung im Westjordanland, Ostjerusalem und dem Gazastreifen zu „friedlichen“ Protesten gegen die Militäroffensive: „Ich rufe die Palästinenser dazu auf, ihre friedlichen Demonstrationen auf den Straßen gegen die israelische Aggression in Gaza zu intensivieren“, äußerte der Fatah-Chef bei einem Treffen mit der palästinensischen Führung. Die Arabische Liga müsse einen Dringlichkeitsgipfel abhalten.
Haifa: Demonstration und Gegendemonstration
An der Universität Haifa bekundeten am Sonntag mehr als 1.000 Studenten Unterstützung und Solidarität mit den Menschen im Süden, den Soldaten und den Zielen der „Operation Wolkensäule“. Sie schwenkten israelische Flaggen, tanzten auf dem Rasenplatz und sangen „Heimatlieder“. Damit reagierten sie auf eine Schweigeminute, die arabische und linksgerichtete Studenten am Donnerstag auf dem Campus als Protest gegen den Militäreinsatz abgehalten hatten.
Die Versammlung hatte die Studentenvereinigung organisiert – und dabei klargestellt, dass es eine Unterstützungs- und keine Protestdemonstration sein solle. Dennoch äußerten viele Teilnehmer ihren Widerspruch gegen die erste Kundgebung, die während der Beerdigung des von Israel getöteten Hamas-Führers Achmed al-Dscha‘abari stattgefunden hatte.
Die Studentin Gaot Chasan forderte von der Universitätsleitung eine Reaktion auf die Solidaritätsveranstaltung mit der Hamas: „Man muss den Studenten, die demonstriert haben, klarmachen, dass ihr Schritt nicht legitim ist. Man muss ihnen ein Disziplinarverfahren anhängen.“
Universitätspräsident Amos Schapira nahm hingegen keinen Bezug auf die Schweigeminute. „Ich bin hier, weil ich Israeli bin, der Präsident einer israelischen Universität, in sechster Generation im Lande, ehemaliger Armeemann – und auch jetzt wird ein Teil meiner Familie einberufen“, sagte er bei der Versammlung. „Selbstverständlich komme ich zu einer Veranstaltung der Solidarität mit den Bewohnern des Südens und den israelischen Soldaten. Diese Flagge ist meine Flagge.“
Etwa 20 arabische Studenten standen währen der Kundgebung an der Seite. Sicherheitskräfte der Universität verhinderten, dass es zwischen den beiden Gruppen zu einer Auseinandersetzung kam. Durch die Fenster der umliegenden Gebäude verfolgten muslimische Studenten das Geschehen, schreibt „Yediot Aharonot“.

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