Geplante Stellenstreichungen: Streik bei „Ha‘aretz“

TEL AVIV (inn) – Mehr als hundert Mitarbeiter sollen bei der israelischen Tagszeitung „Ha‘aretz“ in nächster Zukunft entlassen werden. Aus Protest gegen diese Entscheidung legte die Belegschaft des linksliberalen Mediums am Donnerstag ihre Arbeit für einen Tag nieder.
Die Online-Ausgabe der "Ha'aretz" vom Freitag zeigt Bilder des Streiks der Angestellten.

Bereits seit 1918 prägt das Qualitätsblatt den Zeitungsmarkt seines Landes. In der Vergangenheit hat „Ha‘aretz“ (übersetzt: Das Land) immer wieder auf sich aufmerksam gemacht und ihr Alleinstellungsmerkmal ausgebaut: Sie gilt als einzige Zeitung in Israel, die die Siedlungspolitik kritisiert.
Erstmals seit Jahrzehnten konnten Leser am Donnerstag weder die gedruckte „Ha‘aretz“ in hebräisch oder englisch, noch die Onlineausgabe einsehen. Die Mitarbeiter hatten einen Streik gegen geplante Stellenstreichungen ausgerufen. „Wir befinden uns die ganze Zeit im Gespräch mit der Leitung, machen Vorschläge, aber die Leitung besteht auf ihrem Standpunkt“, sagte Uri Toval, ein Angestellter bei „Ha‘aretz“, gegenüber dem israelischen Rundfunk. Die Geschäftsführer seien angesichts des wirtschaftlichen Drucks auf das Zeitungsgeschäft gezwungen, sich von Mitarbeitern zu trennen. Dies bekräftigte der Herausgeber Amos Schocken in einem Artikel seiner Zeitung.
Sorge und Bedauern
„Alle machen sich große Sorgen“, sagte Toval. Die Angestellten werfen der Geschäftsleitung vor, sie ziehe es vor, dem Blatt zu schaden, anstatt der Belegschaft entgegenzukommen. Herausgeber Schocken jedoch verweist auf die Entwicklung in der Medienwelt: „Es ist bedauerlich, dass die Gewerkschaft nicht versteht, dass etwas im Nachrichtengeschäft passiert, das uns zwingt, die Ausgaben der Geschäftsrealität anzupassen.“ Die Zeitung müsse sich gemäß ihres Budgets verhalten
Erst vor wenigen Wochen war die Belegschaft der israelischen Zeitung „Ma‘ariv“ in einen Streik getreten. Dort wurde die Entlassung von rund 1.700 Angestellten befürchtet, nachdem „Ma‘ariv“ verkauft worden war.
Das regierungskritische Traditionsblatt „Ha‘aretz“ hat eine Auflage von nahezu 100.000 Exemplaren. Mit rund 20 Prozent ist die Kölner Verlagsgruppe DuMont Schauberg an der „Ha‘aretz“-Gruppe beteiligt.

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