Suha Arafat klagt wegen Mordes

PARIS (inn) – Die Witwe von Jasser Arafat hat am Dienstag bei einem französischen Gericht Anklage wegen Mordes an ihrem Ehemann erhoben. Dabei nannte sie keine konkreten Verdächtigen. Der Palästinenserführer war im November 2004 in einem Pariser Krankenhaus gestorben.
Trauerfeier für Arafat: Acht Jahre später erhebt die Witwe Anklage wegen Mordes.

Anlass für die Anklage war eine Untersuchung durch Wissenschaftler im schweizerischen Lausanne, die eine ungewöhnlich hohe Polonium-Konzentration an Arafats Kleidung festgestellt hatten (Israelnetz berichtete). Mit ihrer Tochter Sahwa reichte die Witwe Suha Arafat im Pariser Vorort Nanterre Anklage gegen eine oder mehrere unbekannte Personen wegen vorsätzlichen Mordes ein. Dies meldet die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma‘an“.
Jasser Arafat sei auf eine seltsame Weise gestorben, erklärte die Witwe des Palästinenserführers ihren Schritt. Es gebe Anzeichen für eine Vergiftung. Auf die Frage, warum sie fast acht Jahre mit der Klage gewartet habe, sagte sie gegenüber der französischen Zeitung „Le Figaro“: „Aus mehreren Gründen. Meine Tochter Sawha, die 17 Jahre alt ist, will wissen, woran ihr Vater gestorben ist. Andererseits, aus gerichtlicher Sicht, hatten wir Zeit, da das Gesetz uns eine Frist von zehn Jahren gewährt, um eine solche Aktion einzuleiten. Schließlich, und das ist das Schlüsselelement, hat mich die Untersuchung von ‚Al-Dschasira‘, die die ungewöhnlich erhöhten Dosen von Polonium auf Arafats Kleidern enthüllt hat, dazu angeregt, die ganze Wahrheit über den Tod meines Mannes zu suchen.“
Suha Arafat fügte hinzu: „Der Autor der Untersuchung, der amerikanische Journalist Clayton Swisher, hat sich Ende 2011 an mich gewandt und mich um den medizinischen Bericht gebeten. Ich hatte Vertrauen, er ist ein seriöser Journalist, der sich neun Monate mit der Untersuchung befasst hat. Ich habe ihm gleichermaßen den Schlafanzug, zwei Mützen, die Jacke und die Unterwäsche anvertraut, die Arafat direkt vor seinem Tod getragen hatte. Sie waren in einer Schachtel verstaut, die ich niemals geöffnet hatte.“
„Warum wurden Laborproben zerstört?“
Nach eigenen Angaben schrieb die Witwe an das Krankenhaus und erfuhr, dass Blut- und Urinproben vernichtet worden seien. „Warum hat man einen Bestandteil einer Krankenakte zerstört, obwohl jeder, der den Bedarf hat, die Justiz zehn Jahre nach dem Tod eines Angehörigen anrufen darf?“, fragte sie in dem Interview. „Außerdem war Arafat ein Staatschef, er war nicht irgendein Patient. Ich möchte wissen, ob man einfach so Blutanalysen und Urinproben zerstören darf.“
Als sie den medizinischen Bericht nach dem Tod des Fatah-Chefs erhielt, habe er auf sie vollständig gewirkt, sagte Suha Arafat. „Ich zweifelte nicht daran, dass mir die Franzosen alle Analysen und alle Proben übergeben hatten, die während Arafats 17-tägigem Krankenhausaufenthalt ausgeführt worden waren. Die Franzosen haben alles getan, um ihn zu retten. Damals hat mich der Präsident der Republik, Jacques Chirac, jeden Tag auf meinem Mobiltelefon angerufen, um Neuigkeiten zu erfahren. An den ersten drei Tagen habe ich ihm Arafat gegeben; später fiel er ins Koma, aber der Präsident rief mich weiter an. Er hatte eine besondere Beziehung zu Jasser Arafat.“Eine Autopsie habe sie damals nicht verlangt, weil sie wegen des Todes ihres Ehemannes schockiert war, erklärte die Witwe. „Ich hatte Vertrauen zur französischen Medizin, weil sie mir die ganze Wahrheit gesagt hatte. Andererseits wurde sein Leichnam unmittelbar danach nach Ramallah repatriiert, zum Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde. Alles ging sehr schnell. Die Polemiken begannen gleichzeitig. Ich wollte nicht noch eine weitere davon hören. Aber anders als damals manchmal geschrieben wurde, habe ich eine Autopsie meines Ehemannes nicht verweigert.“
In der arabischen Welt ist die Annahme verbreitete, dass Israel den Palästinenserführer vergiftet habe. Die Autonomiebehörde hat einer Exhumierung zugestimmt.

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