"Die Palästinenser haben Verhandlungen verweigert, weil nicht nur Israel Zugeständnisse machen müsste, sondern sie auch. Sie müssten zum Beispiel den jüdischen Staat anerkennen", sagte Netanjahu im Gespräch mit "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und Chefreporter Julian Reichelt. Der israelische Regierungschef beteuerte, sofort zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen mit den Palästinensern bereit zu sein: "Sie haben gerade eine einmalige Gelegenheit, mit mir über den Frieden zu verhandeln. Das israelische Volk würde mir darin vertrauen, eine Lösung auf Basis solider Sicherheit zu liefern." An einer solchen Verhandlung seien die Palästinenser aber nicht interessiert – auch deswegen, weil sie akzeptieren müssten, dass ein Palästinenser-Staat keine Ausgangsbasis sein könne, um den jüdischen Staat zu vernichten.
Die Frage, ob er bereit sei, eines Tages die Teilung Jerusalems mit deren Osthälfte als Hauptstadt eine palästinensischen Staates zu akzeptieren, antwortete Netanjahu eindeutig: "Nein, nein, und ich glaube auch nicht, dass das notwendig wäre. Jerusalem müsste man eh als Allerletztes besprechen." Jerusalem sei der Ursprung der israelischen Nation seit 3.000 Jahren. "Und trotzdem erkennen wir an, dass es hier noch ein Volk gibt, die Palästinenser, die Seite an Seite mit uns leben. Aber sie müssen auch einsehen, dass wir, die wir immer hier gelebt haben, nicht verschwinden werden. Sie müssen diesen Geist loslassen, dass man Israel nicht eliminieren könnte."
Über US-Präsident Barack Obama und dessen republikanischen Herausforderer Mitt Romney wollte sich Netanjahu nicht äußern. Fakt sei aber, dass es eine sehr starke Bindung zwischen den Vereinigten Staaten und Israel gebe. "Die größte Unterstützung bekommen wir übrigens von nicht-jüdischen Amerikanern, die in Israel eine Bastion der Demokratie sehen, mitten in einem Teil der Welt, der oft sehr düster und voller Gewalt ist", erklärte der Premierminister. In gewisser Weise fange Europa in Israel an: Die Kräfte des militanten Islam seien nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen Europa gerichtet. "Sie wollen den gesamten Nahen Osten ihren mittelalterlichen Vorstellungen unterwerfen. Frauenrechte, die Freiheiten von Minderheiten, von Schwulen hätten dort keinen Platz. Sie wollen Israel eliminieren, um dann weiter auf Europa zu marschieren. Insofern ist Israel die Frontstellung Europas und der westlichen Zivilisation."
Die "Bild"-Reporter haben in Israel auch die Ehefrau des Politikers interviewt. Herausgekommen ist ein ausführliches Porträt Sara Netanjahus, das in der kommenden Ausgabe der "Bild am Sonntag" veröffentlicht werden soll.