Die Feiern hatten ihren Auftakt in Ramallah. Pfadfinder, Schüler, Angestellte des öffentlichen Dienstes und Vertreter nationaler Parteien suchten das Grab des 2004 verstorbenen Palästinenserführers Jasser Arafat auf. Von dort aus marschierten sie zu einem zentralen Platz der Autonomiestadt. Vor Tausenden Zuhörern trat eine Musikgruppe der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) auf.
In Bethlehem sprach die Polizei von 3.000 Teilnehmern einer großen Versammlung vor der Geburtskirche. Unter den Rednern waren auch örtliche Geistliche, wie die palästinensische Nachrichtenagentur "Ma´an" berichtet.
Die größte Kundgebung hielten Palästinenser in Hebron ab. Sie erstreckte sich über zweieinhalb Kilometer zwischen einem Platz im Stadtzentrum und dem Al-Haras-Viertel. Die Hauptfeierlichkeiten fanden vor dem Gebäude der Stadtverwaltung statt.
Fatah-Führer: "Nur Abbas widersteht USA"
In Nablus beteiligten sich auch 30 Angehörige der antizionistischen jüdischen Gruppe "Neturei Karta" an den Feierlichkeiten. Der Fatah-Führer Mahmud al-Alul lobte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (Abu Masen) für seinen Vorstoß. "Es ist deutlich geworden, dass die einzige Person, die es heutzutage wagt, nein zu den USA zu sagen, der palästinensische Präsident Abu Masen ist – und andere palästinensische Führer", sagte der frühere Gouverneur von Nablus.
Al-Alul fügte hinzu: "Ja, wir wollen die Spielregeln ändern, weil wir eine lange Zeit mit Verhandlungen verbracht haben. Wir unternehmen jede mögliche Anstrengung, einen gerechten und ehrenhaften Frieden zu erreichen. Diese israelische Regierung strebt nicht nach Frieden, sondern nach Siedlungsausweitung und einer Befriedigung der Siedler. Ihr sagen wir, dass unsere höchste Priorität die Interessen unseres Volkes sind."
Riesiger Stuhl symbolisiert angestrebten UN-Sitz
Bereits am Dienstag hatten Palästinenser im Zentrum von Ramallah einen riesigen Stuhl enthüllt. Er besteht aus Eisen und Gips. Das Möbelstück ist 3,5 Meter hoch und 6,5 Meter breit. Es symbolisiert den UN-Sitz, den die Palästinenser nach Ansicht vieler nach sechs Jahrzehnten der Staatenlosigkeit verdient haben. Der Koordinator der Kampagne, Ajman Sbeih, erzählte vor Journalisten von der Reise eines kleineren Stuhls, der auf dem Weg zum UN-Hauptquartier in New York durch mehrere Hauptstädte um Welt geflogen sei.
Doch die Aktionen stoßen auch auf Kritik. Ein satirisches Musikvideo karikiert sie in der "Geschichte eines magischen blauen Stuhles". Dieser könne "reisen, segeln und fliegen". Der Clip wurde am Samstag online gestellt und über 10.000 Mal aufgerufen, schreibt "Ma´an". "Dieser Stuhl wird uns Jerusalem und Palästina zurückgeben", heißt es in dem Spottlied.