Wie die Tageszeitung "Ha´aretz" meldet, soll das Komitee auch nach Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme der Regierung suchen. Der Knessetabgeordnete Ofir Akunis (Likud) sagte, der Ausschuss werde über einen längeren Zeitraum hinweg über die Schwierigkeiten diskutieren. Er werde keine schnelle Lösung für die Krise bieten, die Tausende Menschen auf die Straßen gebracht habe.
Auch Staatspräsident Schimon Peres äußerte sich am Sonntag zu den Protestkundgebungen. Er forderte einen sozialen Wandel. "Es ist unsere Pflicht, dieser Generation zuzuhören und die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen", sagte er laut der Zeitung "Jediot Aharonot" bei einem Treffen mit dem Präsidenten der israelischen Ärztekammer, Leonid Eidelman. "Die Proteste sind sehr bewegend." Peres hat bereits mehrere Gespräche mit führenden Vertretern der Industrie, Ökonomen und Professoren geführt. Er sucht nach Wegen, um die Lage für die Mittelklasse zu verbessern.
In der Nacht zum Sonntag nahmen zahlreiche Israelis in mehreren Städten an Demonstrationen gegen den Wohnungsmangel und die steigenden Immobilienpreise teil. In Tel Aviv, dem Zentrum der Proteste, waren unter anderen Schriftsteller, Akademiemitglieder, Künstler und Schauspieler unter den Demonstranten. "Dies ist kein politischer Kampf", sagte eine Aktivistin gegenüber "Jediot Aharonot". "Die Lebenshaltungskosten unterscheiden nicht zwischen politischen Ansichten, sie betreffen uns alle. Wir wären auf jeden Fall hierher gekommen – unabhängig davon, wer der Regierung vorsteht."
Die Teilnehmer der Kundgebung skandierten Slogans wie "Die Leute fordern einen sozialen Wandel" oder "Eine ganze Generation fordert eine Zukunft". Auf Transparenten war zu lesen: "Das Spiel ist aus" oder "Wohnungen, Bildung, Gesundheit, Lebensmittel – nicht nur für die Reichen".
In Jerusalem marschierten fast 10.000 Israelis zur Residenz des Premierministers. Der Schriftsteller David Grossman teilte vor Journalisten mit: "Der gemeinsame Nenner ist, dass eine große Gruppe von Leuten, denen es nicht gut geht, auf die Straßen gegangen sind, weil sie wissen, dass es ihnen dann besser ergeht. Die Leute sind dem Staat gegenüber loyal, aber der Staat ist ihnen gegenüber nicht loyal." Er fügte hinzu: "Für jemanden, der an vielen Demonstrationen teilnimmt, ist es herzerwärmend, zu sehen, wie Leute mit unterschiedlichen Ansichten zusammenkommen."
Weitere Märsche und Kundgebungen wurden in Haifa, Aschdod, Be´er Scheva, Aschkelon und Kirijat Schmonah abgehalten. In Baka al-Gharbijje bei Haifa und in Nazareth forderten arabische Demonstranten Netanjahus Rücktritt. Araber und Juden gingen in Jaffa gemeinsam auf die Straße. Mit hebräischen und arabischen Transparenten bekundeten sie: "Araber und Juden wollen erschwingliche Wohnungen". Nach Einschätzung der Polizei waren insgesamt rund 150.000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt.