Von einem bevorstehenden Panzergeschäft sei ihm nichts bekannt, sagte Ajalon gegenüber der "
Welt". "Aber wir pflegen einen sehr vertrauensvollen, konstruktiven und freundschaftlichen Austausch mit Deutschland. Die Bundesrepublik ist unser wichtigster Verbündeter in Europa. Deutschlands Engagement für die Sicherheit und das Wohlergehen des Staates Israel und seiner Bevölkerung bedeutet uns sehr viel. Gerade im Lichte der Umwälzungen im Nahen Osten und Nordafrika ist diese Sicherheit nicht nur in unserem eigenen Interesse, sondern auch in jenem Europas und des Westens." Israel vertraue der Bundesregierung.
Auf die Frage, ob eine Aufrüstung Saudi-Arabiens der richtige Weg sei, um den Iran aufzuhalten, antwortete der stellvertretende Minister: "Ich glaube, die gesamte internationale Gemeinschaft muss gegen den Iran einschreiten. Er stellt eine Gefahr dar: Wegen seiner generellen Aufrüstung, wegen der Trägersysteme, die Teheran entwickelt, und natürlich wegen seiner Urananreicherung." Dadurch werde nicht nur Israel gefährdet. "Doch die eigentliche Bedrohung entsteht durch die Kombination dieser Waffen mit der islamistischen Ideologie des iranischen Regimes, mit dessen Terrorexporten und mit dessen Versuch, die Umbrüche in der arabischen Welt zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Darum muss die internationale Gemeinschaft den Iran gerade jetzt im Auge behalten. Wir müssen verhindern, dass er im Nahen Osten in die Offensive kommt – mit wirtschaftlichen Sanktionen und politischem Druck. Jetzt können wir das noch mit relativ geringen Kosten und Risiken tun."
Da der Iran im Nahen Osten nicht nur gegen Israel oder westliche Einrichtungen tätig sei, sondern auch gegen alle sunnitischen Staaten, befänden sich bei dem Thema fast alle Staaten der Region auf einer Seite. Denn "er arbeitet gegen die Interessen des Golf-Kooperationsrates, und Saudi-Arabien ist Teil dieses regionalen Staatenbündnisses", so Ajalon.
Gefragt, was Deutschland für Israels Sicherheit tun könne, erwiderte der israelische Politiker mit Bezug auf das palästinensische Bestreben, im September einen Staat auszurufen: "Wir werben im Moment dafür, dass die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen einseitige Schritte der Palästinenser-Führung nicht akzeptieren. Dazu haben wir von Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle sehr ermutigende Stellungnahmen gehört. Wir hoffen darauf, dass Deutschland sein Gewicht und seine große Verantwortung in der EU geltend machen kann, damit es eine gemeinsame europäische Haltung in dieser Frage gibt."
Treffen mit Staatssekretärin
Wie das Außenministerium mitteilte, kam Ajalon am Donnerstag in Berlin mit der deutschen Staatssekretärin im Auswärtigen Amt Emily Haber zusammen. Bei dem Treffen sagte er, Israel und Deutschland seien sich bezüglich der Bedeutung des Friedensprozess und der Ablehnung einseitiger Schritte einig.
Anlass des Besuches in Deutschland ist die Vorbereitung der bevorstehenden Sitzung des Nahostquartetts, das sich aus der UNO, der EU, den USA und Russland zusammensetzt. Dabei will Deutschland Israels Position vorstellen. Es wird erwartet, dass die Mitglieder des Quartetts auf ihrem Treffen eine gemeinsame Position zu der geplanten Initiative der Palästinenser für die UN-Hauptversammlung im September formulieren werden.