"Der Friede ist zu einer Geisel des Friedensprozesses geworden", schreiben die Israelis laut der Zeitung "Ha´aretz". "Als israelische Staatsbürger geben wir bekannt, dass wir, falls die Palästinenser die Unabhängigkeit eines souveränen Staates erklären, der neben Israel in Frieden und Sicherheit bestehen wird, eine solche Erklärung des palästinensischen Staates unterstützen werden, mit Grenzen auf Grundlage der Linien von 1967, mit dem erforderlichen Austausch von Land im Verhältnis 1:1." Und weiter: "Wir fordern die Länder der Welt auf, ihre Bereitschaft zu erklären, einen souveränen palästinensischen Staat nach diesen Grundsätzen anzuerkennen."
Der Brief soll am heutigen Freitag abgeschickt werden. Initiiert hat ihn die linksgerichtete "Scheich Dscharrah-Solidaritätsbewegung". Sie organisiert wöchentliche Demonstrationen im umkämpften Ostjerusalemer Viertel Scheich Dscharrah. Auf ihrer Webseite teilt die Organisation mit: "Der palästinensische Aufruf an die Vereinten Nationen, einen palästinensischen Staat anzuerkennen, schadet nicht den israelischen Interessen und steht in keinem Widerspruch zum Friedensprozess."
Netanjahus Rede in Washington "und die weitreichende Unterstützung, die er vom US-Kongress erhalten hat, zeigt, dass der Friedensprozess an sein Ende gelangt ist", so die Solidaritätsbewegung. Israel habe jetzt die Wahl zwischen der Anerkennung eines Palästinenserstaates und einer neuen Welle der Gewalt.
Zu den Unterzeichnern gehören der frühere Knesset-Sprecher Avraham Burg, der ehemalige Generaldirektor des Außenministeriums, Alon Liel, und der frühere Botschafter in Südafrika, Ilan Baruch. Auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman und der Israelpreisträger Avischai Margalit, der in dieser Woche von der Universität Tübingen ausgezeichnet wurde, haben ihre Unterschrift unter den Aufruf gesetzt.