Peres in London: Kritik an britischer Presse

LONDON (inn) - Großbritannien wird sich weiter für eine sichere Zukunft des Staates Israel als Heimstätte für das jüdische Volk einsetzen. Das betonte der britische Außenminister William Hague am Mittwoch auf einer Konferenz anlässlich der seit 60 Jahren bestehenden britisch-israelischen Beziehungen in London. An der Veranstaltung nahm auch Israels Staatspräsident Schimon Peres teil. Er besuchte später zudem eine Benefizgala zum 80. Geburtstag des früheren sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow.

Großbritannien habe Israel von Beginn an unterstützt, sagte Hague auf der Konferenz. Sein Land sei auch heute noch in seiner Unterstützung für den jüdischen Staat standhaft. "Unser Glaube an Israels Recht auf Existenz ist kein Gegenstand einer Diskussion oder eines Kompromisses". Die britische Regierung sei gegen jeden, der versuche, Israel zu delegitimieren oder es als Form des Protestes zu boykottieren, sagte der Außenminister laut der Tageszeitung "Ha´aretz" weiter. Sein Land werde außerdem für Israels Recht auf Selbstverteidigung einstehen. Die jüngste Flut von Raketenangriffen aus dem Gazastreifen, der Mord an fünf Mitgliedern einer Siedlerfamilie sowie das Bombenattentat an einer Bushaltestelle in Jerusalem seien ein "gewaltsamer" Beweis für "Israels Gefühl der Unsicherheit".

Am Ende seiner Rede betonte Hague: "Ich vergesse nie, dass Israel ein Land ist, das in seiner kurzen Geschichte wiederholt angegriffen wurde, das mit allen seinen Nachbarn während einer Zeit seiner Geschichte im Krieg war – mit einigen seiner Nachbarn während seiner gesamten Geschichte …. Ich bin mir dessen tief bewusst, warum das jüdische Volk – unter allen Völkern – Grund hat, zu glauben, dass es auf sich selbst aufpassen muss und sich niemals auf andere verlassen sollte, wenn es um die Sicherheit geht." Gerade deshalb sei es jedoch wichtig, dass Verhandlungen im Nahostkonflikt aufgenommen und eine Zweistaatenlösung umgesetzt werden.

Kritik an "voreingenommener Berichterstattung"

Peres hatte seinen Aufenthalt in London mit einem Besuch in der Denkfabrik "Chatham House" begonnen. Dort sprach er vor Diplomaten und Vertretern aus ganz Europa. In seiner Rede kritisierte er unter anderem die britische Presse. Er warf ihr eine voreingenommene Berichterstattung über den Nahostkonflikt vor und stellte sie vor die Frage: "Wie würden Sie reagieren, wenn die Situation umgekehrt wäre und 200 Raketen auf Großbritannien gefeuert würden?". Bei der TV-Berichterstattung würden immer nur die Reaktionen der israelischen Armee gezeigt, nicht aber der Schaden, der durch die täglichen palästinensischen Raketenangriffe in Israel verursacht werde. Peres forderte britische Kritiker dazu auf, von der Hamas ein Ende ihrer Angriffe auf Israel zu verlangen.

Vor dem Gebäude hatte sich währenddessen eine Gruppe pro-palästinensischer Demonstranten versammelt, die gegen Peres demonstrierte. Die Teilnehmer bezeichneten das israelische Staatsoberhaupt als "Kriegsverbrecher" und forderten ihn dazu auf, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben und "alle Feindlichkeiten zu beenden".

Während seines Besuches traf sich Peres auch mit dem britischen Premierminister David Cameron. Am Abend nahm er in der Royal Albert Hall an einer groß angelegten Benefizveranstaltung anlässlich des 80. Geburtstages Gorbatschows teil. Unter den Gästen waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Film und Fernsehen, darunter der frühere US-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, die Band "The Scorpions" und die Schauspielerinnen Goldie Hawn, Milla Jovovich und Sharon Stone. Der Erlös aus der Veranstaltung kommt einer britischen Krebsstiftung und Gorbatschows Kinderhilfswerk zugute.

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