Israels stellvertretender Außenminister Danny Ajalon warf den Palästinensern am Mittwoch vor, die Vereinten Nationen gegen Israel zu beeinflussen. „Dies ist ein weiterer Versuch der Delegitimierung durch die Palästinensische Autonomiebehörde“, sagte er vor Journalisten. Die UNESCO sei zu einem Werkzeug für die Regierung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geworden. „Solche Entscheidungen entfernen uns weiter von Frieden und Verständnis zwischen unseren Nationen.“ Die UNESCO hatte in ihrer zweijährlichen Hauptversammlung insgesamt fünf Anträge arabischer Staaten zu jüdischen und muslimischen heiligen Stätten angenommen.
Eine Sprecherin des israelischen Außenministeriums teilte zunächst mit, Israel wolle die Beziehungen zu der Organisation völlig abbrechen. Doch kurz darauf nahm sie dies zurück, wie die Tageszeitung „Ha´aretz“ berichtet.
Das Rahel-Grab befindet sich zwischen Jerusalem und Bethlehem im Westjordanland. Es ist Juden, Christen und Muslimen heilig. Anfang des Jahres hatte Israel das Grab gemeinsam mit dem Patriarchengrab in Hebron in seine Liste der „nationalen Erbestätten“ aufgenommen. Die UNESCO kritisierte dieses Vorgehen und wählte die Bezeichnung „Bilal Bin Rabah-Moschee / Rahel-Grab“. Dies solle bestätigen, dass die Stätte „ein wesentlicher Bestandteil der besetzten palästinensischen Gebiete ist und dass jegliche einseitige Aktion durch die israelischen Behörden als Verstoß gegen internationales Recht betrachtet werden muss“, hieß es. Der Antrag wurde mit 44 zu 1 Stimmen angenommen, es gab 12 Enthaltungen.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte die Entscheidung: „Der Versuch, das Volk Israel von seinem Erbe zu lösen, ist absurd. Wenn die Orte, wo die Väter und Mütter der jüdischen Nation, Abraham, Isaak, Jakob, Sarah, Rebekka, Lea und Rahel, vor etwa 4.000 Jahren begraben wurden, kein Teil des jüdischen Erbes sind, was dann?“
In seiner Stellungnahme hieß es weiter: „Es ist unglücklich, dass eine Organisation, die eingerichtet wurde, um historische Erbestätten in aller Welt zu fördern, versucht – aus politischen Gründen – die Verbindung zwischen Israel und seinem Erbe zu entwurzeln.“ Netanjahu fügte hinzu: „Der Staat Israel wird, im Gegensatz zu seinen Nachbarn, weiter die Religionsfreiheit für alle Glaubensrichtungen an diesen Stätten bewahren.“ Gleichzeitig werde es sich darum kümmern, dass die Orte für die Nachwelt erhalten blieben.