Am Mittwochmorgen hatten Palästinenser einen Wachmann im Stadtteil Silwan mit Steinen beworfen. Der Israeli schoss auf die Angreifer. Einer der Palästinenser, Samar Sarchan, wurde tödlich getroffen. Er trug ein Messer bei sich. Nach Informationen der Tageszeitung „Jediot Aharonot“ war er ein Anhänger der Fatah. Mehrere Steinewerfer wurden verwundet, einer von ihnen sehr schwer. Nach dem Vorfall randalierten Araber in Silwan und angrenzenden Vierteln.
„Den ganzen Tag hat die Polizei sich bemüht, die Spannungen zu entschärfen“, teilte der Jerusalemer Polizeichef Aharon Franco vor Journalisten mit. „Sie hat die Würdenträger von Silwan und die Familie des getöteten Mannes kontaktiert. Als Teil dieser Bemühungen hat die Polizei einen Beerdigungszug von Silwan zum muslimischen Friedhof beim Tempelberg genehmigt.“
Randale bei Trauerfeier
An dem Begräbnis nahmen etwa 1.000 Palästinenser teil. Dabei kam es zu neuen Unruhen. Einige Palästinenser „zogen einen Vorteil aus der Genehmigung der Polizei, eine Trauerprozession abzuhalten, und begannen zu randalieren“, fügte Franco hinzu. „Während der Unruhen wurden vier Busse schwer beschädigt, ebenso wie Privatfahrzeuge. In einer späteren Phase begannen junge Palästinenser, Steine vom Tempelberg zu werfen. Dadurch wurde die Polizei gezwungen, das Gelände zu betreten.“ Am Abend beruhigten sich die Gemüter.
Der Schütze wurde zum Verhör festgenommen. Polizeichef Franco sagte: „Nach der ersten Untersuchung traf der Wachmann auf einen geplanten Hinterhalt, der ihn in Lebensgefahr brachte und ihn dazu bewegte, das Feuer zu eröffnen.“ Der Wachmann wurde unter Auflagen freigelassen.
PA beschuldigt Netanjahu
Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) machte Israels Premier Benjamin Netanjahu für Sarchans Tod verantwortlich. Der Leiter des Medienzentrums der Regierung im Westjordanland, Ghassan al-Chatib, bezeichnete den Vorfall als „Verbrechen, das zu der Serie der Verbrechen der Besatzung auf palästinensischem Land hinzukommt – vor allem in Ostjerusalem. Sie schaden den Menschen und dem Land gleichermaßen“.
Der PA-Vertreter fügte hinzu: „Dies sind Netanjahus vertrauenszerstörende Maßnahmen, der direkt verantwortlich ist für das Verbrechen im Viertel Silwan und für alle Verbrechen des Besatzungsregimes. Wer bewaffnete Siedler losschickt, um im Herzen eines palästinensischen Viertels zu siedeln, wobei sie täglich die unbewaffneten Palästinenser provozieren, der ebnet den Weg für diese Verbrechen.“
Laut palästinensischen Quellen will die PA ein Ende der Gewalt sehen, „um Israel keine Ausrede für Hetze zu geben, während Friedensgespräche weitergehen und so kurz vor dem Ende des Siedlungsbaustopps“. Die Autonomiebehörde werde von Eskalation absehen, denn diese würde Israel einen Anlass geben, die Verhandlungen zu vertagen.
Sarchans Vater hingegen gab nicht der israelischen Regierung die Schuld am Tod seines Sohnes. „Ich bin um 4 Uhr aufgewacht, um zu beten, und mein Sohn ist zur Arbeit gegangen. Dann, um 7 Uhr morgens, haben wir gehört dass er tot ist. Es ist alles in Allahs Händen“, sagte er gegenüber „Jediot Aharonot“
Hintergrund
Silwan befindet sich am Steilhang gegenüber dem Tempelberg. Der Stadtteil hat 40.000 Einwohner. Die ersten Siedler waren in den 1880er Jahren jemenitische Juden, die aber 1929 aus Silwan vertrieben wurden. Heute gibt es in dem Ostjerusalemer Viertel immer wieder Streit um Baugenehmigungen für Juden und Araber oder illegal errichtete Häuser.