„Ich glaube, es geht nicht darum, dass die Araber den Israelis gegenüberstehen, sondern, dass Araber und Israelis einer sehr anspruchsvollen Realität gegenüberstehen, auf die jeder eine Antwort geben muss“, sagte Peres laut der Tageszeitung „Jediot Aharonot“. „Ich sehe mir das palästinensische Lager an, das bereits geteilt ist und in dem ein großer Kampf stattfindet. Wir müssen diese Angelegenheit zu einem Ende bringen. Auch wir haben alle möglichen Probleme und Fragen, auf eine seltsame Weise teilen wir das gleiche Interesse – den Konflikt zu beenden. Die Alternative ist sehr kostspielig für beide Seiten.“
Peres äußerte sich auch zum Fall des von Palästinensern entführten Soldaten Gilad Schalit. Die Hamas habe ihre Forderungen für eine Freilassung des Israelis erhöht, derzeit gebe es bei den Verhandlungen eine Wartezeit. „Ich glaube, wir werden Gilad wieder zu Hause sehen. Es wird schwierig werden, nicht unseretwegen, sondern wegen der Hamas.“ Die radikal-islamische Gruppe verlange jedes Mal ein bisschen mehr. An einem gewissen Punkt müsse man dem ein Ende setzen, sagte Peres weiter.
„Mehr Juden nach Israel bringen“
Der Präsident betonte außerdem die Wichtigkeit jüdischer Werte und die Einheit der Juden. Israel müsse für die Juden in der Diaspora attraktiver werden. „Das erste Kapitel der zionistischen Geschichte ist zu Ende. Wir sind nicht länger ein Zufluchtsort. Juden leben relativ sicher in der Welt und um mehr Juden nach Israel zu bringen, müssen wir attraktiv und wettbewerbsfähig sein.“
Die drei Jahre als Oberhaupt des jüdischen Staates bezeichnete er als „die glücklichsten in seinem Leben“. „Ungeachtet aller politischen Angelegenheiten, der Spannungen und Auseinandersetzungen und davon, dass ich in den Zeitungen lese, dass ich die berühmteste Person im Land bin, frage ich mich selbst, wann war ich stärker? Das war, als ich auf der umstrittenen Seite stand, in meinen Kämpfen. Aber jetzt erfreue ich mich an meinem Leben in einer außergewöhnlichen Weise.“
Blick geht nach vorne und nicht zurück
Sehnsucht nach der Vergangenheit habe er nicht, dafür aber Vorstellungen und Visionen für die Zukunft, erzählte Peres weiter. „Ich glaube, Israel kann eine Perle werden. Ich denke, mir wurde eine ungewöhnliche Möglichkeit gegeben, dem Staat zu dienen, ohne all die anderen politischen Spielregeln. Es ist ein großes Privileg und jeder Tag ist voller Erfahrungen für mich.“
Auf die Frage, was er nach Ablauf seiner Amtsperiode in vier Jahren tun wolle, antwortete der Präsident, die Wissenschaft schreite schnell voran und er sei sich sicher, dass es früher oder später Fitnessclubs geben werde, in denen man sowohl den Körper als auch den Geist trainieren könne. „Wenn das passiert, bin ich der erste, der sich anmeldet.“
18 Stunden Arbeit am Tag
Am 2. August wird Schimon Peres 87 Jahre alt. Noch immer arbeitet er rund 18 Stunden am Tag. In den drei Jahren als Staatspräsident hatte er bislang rund 700 Treffen mit Staatsoberhäuptern, Regierungschefs, Parlamentariern anderer Länder oder Vertretern von Organisationen wie den UN. Der ausländischen Presse gab er mehr als 600 Interviews. 27 Mal reiste er zu offiziellen Besuchen ins Ausland und in seinem Amtssitz veranstaltete er rund 260 Empfänge und Zeremonien.
Peres hatte am 15. Juli 2007 als neunter Präsident die Nachfolge von Mosche Katzav angetreten, der wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung kurz vor Ende seiner Amtszeit zurückgetreten war. Der israelische Staatspräsident wird für sieben Jahre gewählt. Eine zweite Legislaturperiode ist nicht möglich.