Arabisches Knesset-Mitglied übernimmt Organhandel-Vorwurf gegen Israel

NABLUS (inn) - Der arabische Knesset-Abgeordnete Mohammed Barakeh hat Israel unterstellt, Handel mit palästinensischen Leichen zu betreiben. Am Dienstag sprach der Israeli bei einer Konferenz in Nablus zum "Internationalen Tag zur Rückgabe der Leichen von Märtyrern". Mitte August hatte die schwedische Zeitung "Aftonbladet" behauptet, israelische Soldaten entführten Palästinenser, um deren Organe zu stehlen.

„Wir haben das Recht, nach den Gründen dafür zu fragen, dass Israel Leichen von Märtyrern festhält, und danach, welche Geheimnisse es bewahren will“, sagte Barakeh laut der Nachrichtenagentur AFP. „Ist das Geheimnis, dass die Leichen verunstaltet wurden? Meine Antwort lautet ja, bis das Gegenteil bewiesen ist. Ist die Antwort, dass die Leichen gestohlen wurden? Meine Antwort lautet ja, bis das Gegenteil bewiesen ist.“

Gegenüber der Tageszeitung „Jediot Aharonot“ sagte der Vorsitzende der israelisch-arabischen Hadasch-Partei nach dem Kongress: „Israel hat sich um seinen guten Namen gesorgt und infolge des Artikels in der schwedischen Zeitung die Welt auf den Kopf gestellt. Sie behaupten, was in der schwedischen Zeitung veröffentlicht wurde, könne nicht sein. Da man nun einen Toten oder seine Familie nicht schlimmer bestrafen kann als durch seinen Tod, stellt sich die Frage, warum der Staat Israel Leichen festhält. Die Beweispflicht liegt bei Israel, und solange es nicht sagt, in welchem Zustand die Leichen sind und sie nicht zurückgibt, versteckt es etwas Furchtbares.“

Vergleich mit Fall Schalit

Ein Staat dürfe unter keinen Umständen mit Leichen handeln, das stehe nicht zur Debatte, so Barakeh. „Ich habe gesehen, was sie im Zusammenhang mit den Leichen der israelischen Soldaten über die Hisbollah gesagt haben, und zwar zu Recht. Doch auch hier gibt es Familien, die ein Grab für ihre Lieben haben wollen.“ Israel fordere zu Recht genaue Informationen über die Lage des entführten Soldaten Gilad Schalit. „Man muss der Familie Einzelheiten geben. Aber ich frage, warum seit Jahren in Bezug auf vermisste Palästinenser Ruhe herrscht. Warum geben sie über sie keine Einzelheiten weiter? Nur der Staat Israel kennt hier die Antwort.“

Hunderte Palästinenser nahmen an der Konferenz in Nablus teil. Palästinensische Organisationen behaupten, Israel halte noch etwa 275 Leichen von Palästinensern fest und weigere sich, diese an die Angehörigen weiterzugeben.

PA will Vorwürfe untersuchen

In der vergangenen Woche hatte die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) angekündigt, einen Untersuchungsausschuss für die gegen Israel gerichteten Vorwürfe zu bilden. Ihm sollen die Minister für Innere Angelegenheiten, Gesundheit und Außenpolitik angehören.

Ein israelischer Anwalt hat mittlerweile die schwedische Zeitung unter anderem wegen Antisemitismus verklagt. Die Anschuldigungen erinnerten ihn an eine alte Ritualmordlegende gegen Juden.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen